Berlin : Thekentanz: Waikiki

Frank Jansen

Ein Reiseprospekt könnte kaum blumiger sein. "Kurzurlaub on the beach" steht auf dem dunkelhimmelblauen Flyer, garniert mit Palmen und dem gelbroten Schriftzug "COCKTAIL BAR". Am letzten R hat sich auch noch ein Papagei niedergelassen. Wer kann dem in dieser nieselnassen Jahreszeit widerstehen? Auch wenn die Adresse "Rigaer Straße" nicht zur sunny side-Szene von Friedrichshain zählt, die sich bekanntermaßen weiter südlich ausbreitet. Dennoch scheint die Gelegenheit verlockend, in einer hawaiianischen Nische für ein paar Stunden dem Berliner Winter zu entkommen. Aloha.

Feiner Sandkastensand bedeckt den Boden. Gleich am Eingang hockt ein großer, farbenprächtiger Plastikpapagei auf seinem Plastikgestell. In dem verwinkelten Lokal sind Palmen und Korbsesselgruppen eingestreut, belegt mit Ikea-bunten Sitzpolstern. Darüber ragen bastmattengedeckte Hüttendächer in den Raum. Der Tresen ist lang und gerade und ebenfalls bastmattengetarnt. Aus den Boxen perlt mediterraner Frohsinnssound. Die Karte, bitte.

Leider wird sie nicht von einem reizenden Girlie aus der Bacardi-Werbung gebracht, aber der junge Keeper macht das durch besondere Freundlichkeit wett. So nahm der drinking man einen kleingemüsigen Mojito, der öfters den Strohhalm verstopfte. Wenig Freude hatte der compañero an seinem Mai Tai - "Fruchtsaft" lautete die abschätzige Wertung. Doch die Waikiki-Crew steigerte sich. Der Moskau Life (Wodka, Crème Cassis, Orangensaft, Zitronensaft, Ananassaft) schmeckte trotz des Namens karibisch-fruchtig, der Zombie haute den compañero fast um. In der Karte werden auch das Tequila Mega Set, das Smirnoff Giga Set und als Krönung das Cuba Libre Ultra Set angepriesen. Doch an jenem Abend wollte niemand den ganz harten Einsatz wagen, so blieb Ballermann-Gedröhne aus. Stattdessen prägte sich das Waikiki als nett versandete Kiezstube ein. Für den Kurzurlaub vom Schneematsch auf der Rigaer.

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