Berlin : Thierse reizt Kollegen

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Nicht nur Cäsar kam, sah und siegte, sondern auch Bundestagspräsident Wolfgang Thierse . Am Donnerstagabend stieg im JakobKaiser-Haus neben dem Reichstag das 2. Parlamentarische Skatturnier des Bundestages in Berlin. Die 50 Euro Startgeld pro Teilnehmer gingen ans Anne-Frank-Zentrum, einen Verein für Toleranz und gegen das Vergessen der Nazi-Verbrechen. Dank allerlei privater Sponsoren konnte mindestens das vordere Drittel der gut 120 teilnehmenden „Abgeordneten und Verwaltungsfuzzis“ (O-Ton Bundestagsverwaltung) Preise mitnehmen: VIP-Karten für Alba, ein Call-Bike von der Bahn für ein Jahr, Gutscheine fürs Casino Berlin und derart viele Freiflüge, dass es schon fast für eine Affäre gereicht hätte.

Der Hamburger SPD-Abgeordnete Johannes Kahrs verkürzte sich und den Umstehenden die Wartezeit auf Schirmherrn Thierse mit Prêt-à-porter-Philosophie über die Gemeinsamkeiten von Politik und Skat: „Die Roten oder die Schwarzen bestimmen, wo’s langgeht; es wird viel gereizt und am Ende siegt, wer seine guten Karten richtig einzusetzen weiß – wie bei der Bundestagswahl.“ Dann kam Thierse mit Ich-muss-gleich-wieder-los-Gesicht und ließ sich am erstbesten Tisch nieder. 18-20-22-23-24-27-Jou! Drei Jungs auf der Hand, ein Ass im Skat, zack!, schon sind die anderen Schneider. Nächstes Spiel, ähnliches Ergebnis, leider außer Konkurrenz, denn jetzt muss er aber wirklich los.

Die regulären Partien laufen also ohne ihn: zwei Runden à 24 Spiele, unterbrochen nur von einzelnen Schmerzenslauten, Platzwechseln oder Gängen zu Zapfanlage und Weißwurscht-Stand. Nach fünf Stunden steht der Sieger fest: Carl von Hammerstein, CDU. Wäre Thierse mal lieber dageblieben. obs

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