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Thilo Sarrazin in Kreuzberg und Neukölln : Sarrazin sucht in Kreuzberg das Gespräch und wird verjagt

Ex-Senator Thilo Sarrazin wollte in Kreuzberg das Gespräch mit den Menschen suchen. Der Versuch ging gründlich nach hinten los, Sarrazin fühlte sich aus dem Kiez "förmlich herausgemobbt".

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Thilo Sarrazin wollte seine umstrittenen Thesen in Kreuzberg mit dem einfachen Mann von der Straße diskutieren. Stattdessen wurde er verjagt.
Thilo Sarrazin wollte seine umstrittenen Thesen in Kreuzberg mit dem einfachen Mann von der Straße diskutieren. Stattdessen wurde...Foto: dapd

Thilo Sarrazin in Kreuzberg - was sich bereits nach einer Kontroverse anhört, wurde für den ehemaligen Finanzsenator in der vergangenen Woche zu einem Spießrutenlauf. Unter Beschimpfungen und Schmährufen wurde Sarrazin aus dem Kiez gejagt. "Ich habe die Information über Sarrazins Besuch in Kreuzberg erst für einen Scherz gehalten", sagt Redakteur Metin Yilmaz, der für den Sender "Berlinturk" im Einsatz war. Er habe erst kurz vor Sarrazins Auftauchen auf dem Markt am Maybachufer davon erfahren.

Der "Türkenmarkt" sollte die erste Station Sarrazins werden. Das ZDF begleitete den Autor von "Deutschland schafft sich ab". "Die Leute haben sofort getuschelt, dann kam ein deutscher Rentner und beschimpfte Sarrazin. Ihm folgte ein aufgebrachter türkischer Mann, keiner wollte mit Sarrazin sprechen, sie wollten ihn einfach aus ihrem Viertel haben", sagt Yilmaz.

Nach diesem missglückten Versuch einer Annäherung an die Kreuzberger folgte ein zweiter in dem bekannten türkischen Restaurant "Hasir" in der Adalbertstraße. "Sarrazins Besuch wurde uns erst zehn Minuten vorher angekündigt. Ich bin sofort hin, wir haben 20 Minuten diskutiert", sagt Restaurantbesitzer Hikmet Kundakci. Es sei vor allem um die Erfolgsgeschichte des "Hasir"-Restaurants gegangen. Sarrazin habe der Familie Respekt für deren geschäftlichen Erfolg gezollt. Sie betreibt mittlerweile acht Restaurants und einige Hotels in Berlin.

"Draußen versammelte sich eine immer größere Gruppe von Menschen, es waren dann ungefähr 25, die Parolen gegen Sarrazin skandiert haben", sagt Kundakci. Wie bereits auf dem Markt sollen die Protestierenden "Rassist" und "Nazis raus" gebrüllt haben, die Stimmung sei dann ziemlich aggressiv geworden.

"Ich war Sarrazin gegenüber gastfreundlich, wollte aber nicht, dass die Unruhe noch größer wird. Deshalb haben wir uns entschlossen die Unterredung abzubrechen", sagt Kundakci. Das Buch, in dem der Ex-Bundesbankvorstand Thilo Sarrazin mit der seiner Ansicht nach misslungenen Integrationspolitik in Deutschland abgerechnet, habe er nicht gelesen. Als Sarrazin ging, habe es Beifall und weitere Schmährufe gegeben.

Als letzte Station suchte der umstrittene Autor in einem alevitischen Gemeindezentrum das Gespräch, auch dort kam es nicht zu Stande. Wieder waren Protestrufe zu hören. Sarrazin kommentierte den Tag anschließend in der Bild: "Ein verdienter ehemaliger Senator, der sich nichts hat zuschulden kommen lassen, außer ein Buch mit unwillkommenen Zahlen und deren Analysen zu schreiben, wird aus einem zentralen Berliner Stadtteil, der nach eigenem Selbstverständnis die Speerspitze der Integration in Deutschland darstellt, förmlich herausgemobbt."

Videos zu Sarrazins Besuch in Kreuzberg sehen sie hier.

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