Thomas Lackmann : Die Mendelssohns - kleine Familienkunde

Lesung von Tagesspiegel-Autor Thomas Lackmann über die Mendelssohns – und sich selbst.

Daniela Martens
Lackmann
Die Tagesspiegel-Autoren Hermann Rudolph und Thomas Lackmann (r.). -Foto: David Heerde

Die zehn Finger lassen leicht melancholische Töne aus den Tasten herausschreiten: Pianist Matt Rubenstein sitzt am Flügel und spielt ein Präludium in f-Moll, „andante lento“ steht oben auf dem Notenblatt: Langsam gehend, bedeutet das. Währenddessen blickt Felix Mendelssohn Bartholdy, der Komponist des Musikstücks, dem Klavierspieler ein bisschen verträumt bis traurig über die Schulter – mit den weißen Augen einer Gipsbüste. Die hat ihren festen Platz hier in der Remise des ehemaligen Stammhauses der Mendelssohn-Bank in der Jägerstraße in Mitte. Sie ist Teil einer Ausstellung über die Familie Mendelssohn des Vereins „Geschichtsforum Jägerstraße“.

Folgt man Felix’ Blick über die Schulter Rubensteins, sieht man an diesem Herbstabend Tagesspiegel-Autor Thomas Lackmann vor einem Mikrofon sitzen. Er liest aus seinem neuen Buch über Felix’ Vater Abraham, der der Sohn des Philosophen Moses Mendelssohn war: „Der Sohn meines Vaters – eine Biographie von Abraham Mendelssohn Bartholdy“ (Wallstein Verlag, 720 Seiten, 44 Euro). „Ich schlief, da träumte mir. Mir träumten ... Felix und Fanny am Piano“, liest Lackmann – der Satz ist Teil eines fiktiven Monologs des sterbenskranken Abraham.

Jene Fanny am Klavier ist die Komponistin Fanny Hensel, eine Tochter Abrahams und Vorfahrin Lackmanns – das verrät der Autor später im Gespräch mit dem Publikum und Tagesspiegel-Herausgeber Hermann Rudolph. „Ur, ur, ur, dreimal Ur“, so sei die Verwandtschaftsbeziehung, sagt Lackmann. In seinem Buch steht die Beziehung zwischen Abraham und Felix im Mittelpunkt. „Eine ganz tolle Vater-Sohn-Liebesgeschichte war das“, sagt der Autor. „Obwohl Abraham ein schwieriger Vater war.“ Ein Vater, der gern Künstler geworden wäre, aber Bankier werden musste, deshalb stolz auf seinen talentierten Sohn war und oft bei Aufführungen zuhörte. Jenes f-Moll-Präludium schrieb Felix ungefähr zu der Zeit, als sein Vater starb. 1835 war das.

Es gebe so viele Mendelssohns, sagt Hermann Rudolph und fragt, warum Lackmann ausgerechnet Abraham als Protagonisten für eine Biographie gewählt habe. „Wir haben am selben Tag Geburtstag“, scherzt Lackmann. Vor allem aber habe ihn die Zerrissenheit der Figur fasziniert. Über die anderen Mendelssohns hat er außerdem schon ein Buch geschrieben: „Das Glück der Mendelssohns“ (2005, Aufbau Verlag). Daniela Martens

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