Thyssen-Krupp-Neubau gefährdet : Denkmalrat lehnt Glas-Kubus am Staatsratsgebäude ab

27.06.2012 00:00 Uhrvon
Mehr Licht. Eine Fassade aus Gussglas planen Schweger & Partner. Alle Entwürfe sind im Staatsratsgebäude, Am Schlossplatz 1, täglich von 16 bis 20 Uhr zu sehen. Animation: Thyssen-Krupp
Mehr Licht. Eine Fassade aus Gussglas planen Schweger & Partner. Alle Entwürfe sind im Staatsratsgebäude, Am Schlossplatz 1, täglich von 16 bis 20 Uhr zu sehen. Animation:...

Das Gremium sieht eine „massive Schädigung“ des Umfeldes von Schloss und Staatsratsgebäude und appelliert, „auf den Bau zu verzichten“. Auch die Stiftung Berliner Schloss, die CDU-Fraktion und Stadthistoriker lehnen den Neubau ab.

Der geplante Neubau für die Hauptstadt-Repräsentanz von Thyssen-Krupp am Schlossplatz gerät immer stärker ins Wanken. Nun äußert auch der Landesdenkmalrat massive Bedenken und „appelliert an die Bauherrschaft und an die verantwortlichen Stellen in Berlin (...) auf den Bau zu verzichten.“ Mit der wachsenden Zahl prominenter Gegner könnte der vom Architekturbüro Schweger & Partner entworfene Glaswürfel endgültig scheitern – denn Thyssen-Krupp hatte erklärt, das Vorhaben nicht gegen den Willen der Berliner durchsetzen zu wollen.

Der Denkmalrat ist mit Wächtern des Weltkulturerbes (Icomos) besetzt und muss laut Denkmalschutzgesetz „in allen Angelegenheiten von grundsätzlicher Bedeutung“ angehört werden. Das Votum gegen den gläsernen Thyssen-Krupp Kubus, der so vor das Staatsratsgebäude abgeworfen werden soll, dass die Hälfte der Fassade zugestellt wäre, begründet das Gremium mit der „massiven Schädigung der Umgebung des Baudenkmals“. Das Staatsratsgebäude sei das „bedeutendste bauliche Zeugnis aus der Zeit der DDR im Zentrum Berlins“. Thyssen-Krupp wollte sich zu der Stellungnahme des Denkmalrats nicht äußern.

In Wirtschaftskreisen heißt es aber, der umstrittene Bau einer millionenteuren Repräsentanz im fernen Berlin komme zurzeit ungelegen. Der Konzern schrieb zuletzt Verluste, trennte sich von einer Sparte und wird umgebaut. Auch bestehe kein dringender Bedarf nach neuen Flächen: Eine Repräsentanz gibt es bereits in der Charlottenstraße und den Neubau wollte Thyssen-Krupp ohnehin nur zu geringen Teilen selbst nutzen. Auch beim Senat gibt es keinen bedingungslosen Rückhalt für das Projekt, viel lieber würde man den prominenten Bauherren für die Rekonstruktion der Bauakademie gewinnen. Der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit soll Thyssen-Krupp ein Spitzengespräch angeboten haben zu dem Thema.

Dem Vernehmen nach könnte dem Konzern dabei ein Austauschgrundstück angeboten werden, damit dieser auf das umstrittene Projekt verzichtet. Eine Stellungnahme des Senats war bis Redaktionsschluss nicht zu bekommen. Der Chef der Stiftung Berliner Schloss Humboldtforum, Manfred Rettig, der für den Bund den Schlüter-Bau rekonstruiert, unterstützt die Kritik der Denkmalpfleger: „Wenn man den Staatsrat mit dem Kubus verstellt, dann wird die Geschichte verdrängt“. Im Staatsratsgebäude sei das Portal IV des Schlosses integriert. Auch stehe der DDR-Bau in Beziehung zu dem Freiheits- und Einheitsdenkmal, das vor dem Schloss geplant ist. Diese „Symbolik der Geschichte“ im Städtebau von Mitte dürfe nicht durch den Kubus verstellt werden.

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