Tickets für die Berlinale : Das Nachtlager der echten Fans

14 Stunden Anstehen: Um in der Schlange vor dem Verkaufsschalter für die Berlinale-Tickets am Montagmorgen ganz vorne dran zu sein, haben echte Cineasten ihr Schlaflager in den Potsdamer Platz Arcaden aufgeschlagen.

Martin Niewendick
Warten auf das Ticket: Cecily Nüssel und Anika Schwartz richten sich für die Nacht ein.
Warten auf das Ticket: Cecily Nüssel und Anika Schwartz richten sich für die Nacht ein.Foto: Martin Niewendick

„Die einen fliegen auf die Malediven und wir machen eben sowas“, sagt Dana Honsa. Für den nächsten Tag hat sich die 47-Jährige Pädagogin extra frei genommen. Vor ihr auf dem Boden liegen Taschen und Schlafsäcke. Es ist Sonntagabend, 20 Uhr. eigentlich eine ungewöhnliche Zeit für einen Besuch in den Potsdamer Platz Arcaden. Gemeinsam mit Freunden wartet Honsa auf den Startschuss zum Ticketverkauf für die Berlinale in 14 Stunden. „Ich komme schon seit 26 Jahren hierher“, sagt Honsa. Für einen ihrer Begleiter ist es sogar schon das 35. Jahr.

Jetzt heißt es warten. Auf der anderen Seite des kleinen roten Ticketschalters haben Cecily Nüssel und Anika Schwartz Platz genommen. Sie haben Isomatten dabei. „Ich kann hier einigermaßen gut schlafen“, sagt Nüssel mit Blick auf die bevorstehende Nacht. Seit drei Jahren ist sie beim Ansteh-Marathon dabei. „So eine Nacht im Einkaufscenter ist schon cool“, sagt sie. „Man erlebt hier immer etwas.“ Im vergangenen Jahr habe es etwa einen Bombenalarm gegeben. Ansonsten vertreiben sie sich die Zeit mit Häkeln, Pizza bestellen und Lesen.

Mit Ohrenstöpseln bewaffnet

Die beiden freuen sich besonders auf „50 Shades of Grey“. Aber auch „Cinderella“ steht ganz oben auf ihrer Favoriten-Liste. „Die Berlinale ist jedes Jahr ein Highlight. Dana Honsa und ihre fünfköpfige Truppe halten auf der anderen Seite des Schalters weiter die Stellung. Mit dabei ist auch Georg Krömer, der Mann mit den 35 Jahren Berlinale-Erfahrung. Gegen den morgendlichen Trubel hat er Ohrenstöpsel mitgebracht. Er freut sich besonders auf den Film „Woman in Gold“, der sich mit dem Nationalsozialismus beschäftigt.

Ein besonderes Erlebnis

Mit dem Schlaf ist es am nächsten Morgen oft früh vorbei. „Da kommt dann der Putzdienst und fragt, ob er mal unter einem saugen könne“, sagt die 23-Jährige Cecily Nüssel. Einmal ist sie von einem Fernsehteam geweckt worden, das ein Interview führen wollte. Sobald das ersehnte Ticket in ihrem Besitz ist, geht der Alltag auch schon wieder los: „Danach fahren wir direkt zur Arbeit.“ Im nächsten Jahr werden sie wieder hier sein. Für die Berlinale-Fans ist es ein ganz besonderes Erlebnis. Fast wie Urlaub auf den Malediven.

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