Berlin : Tickets für Tempelhof – trotz Schließung

Fluggesellschaften buchen ihre Passagiere weiter für den Airport, auch über den Oktober hinaus. Die Unternehmen hoffen darauf, dass das Aus noch abgewendet wird

Rainer W. During

Am 31. Oktober soll der Flughafen Tempelhof stillgelegt werden. Doch wer heute einen Flug für den Winter bucht, bekommt auch weiterhin sein Ticket für den City-Airport. Am 5. November nach Basel, am 12. Dezember nach Brüssel, am 20. Januar nach Luxemburg – ab Tempelhof kein Problem. Im Internet oder den weltweiten Luftverkehrs-Reservierungssystemen der Reisebüros gibt es keinen Hinweis auf die drohende Schließung. Die Luftverkehrsgesellschaften gehen von einem Weiterbetrieb aus. Denn die meisten von ihnen wollen gegen die Entlassung der Berliner Flughafen-Gesellschaft aus der Betriebspflicht klagen.

Bei Cirrus Airlines, der größten deutschenTempelhof-Fluggesellschaft,denkt man vorerst nicht an einen Umzug. Die Flüge nach Saarbrücken und Mannheim werden auch nach Oktober für den Zentralflughafen verkauft. Firmensprecher Eric Schneider verweist auf den laufenden Rechtsstreit. Nur wer telefonisch bucht, wird darüber informiert. „Falls der Flughafen tatsächlich geschlossen werden sollte, werden wir alle Passagiere verständigen und umbuchen.“ Auch SN Brussel und Luxair buchen weiter für Tempelhof, wie beide Unternehmen bestätigen. SN-Brussel-Deutschlanddirektor Daniel Noraman betont die langfristige Planung der Luftverkehrsgesellschaften. Die Starts werden ein Jahr im Voraus ins System gestellt. Noraman bezeichnet die Aussichten der gerichtlichen Anfechtung des Schließungsbeschlusses als „sehr gut“. Über gleichwertige Alternativen in Tegel werde parallel verhandelt.

„Unsere Priorität für die Basel-Flüge bleibt weiter Tempelhof“, so Swiss-Sprecher Jean-Claude Donzel. Zunächst warte man ab und werde sich selbst nicht an einer Klage beteiligen. Auch die Schweizer versuchen, sich für den Fall einer tatsächlichen Schließung gute Start- und Landezeiten in Tegel zu sichern. „Wir gehen fest davon aus, dass der Flugbetrieb in Tempelhof am 31. Oktober eingestellt wird“, sagt dagegen Flughafen-Sprecher Eberhard Elie.

Claus Ulrich, Flugplankoordinator der Bundesrepublik, hat den Airlines indessen alle für den Winterflugplan beantragten Start- und Landetermine – die so genannten Slots – in Tempelhof unter dem Vorbehalt der Fortsetzung des Flughafenbetriebs bestätigt. Die von den meisten Fluggesellschaften vorsorglich auch für Tegel angemeldeten Slots konnte er wegen der dortigen Auslastung nur teilweise zu vergleichbaren Zeiten erteilen.

Die Airlines fordern langfristige Sicherheit. Doch dass die Luftverkehrsgesellschaften die jetzt für den Winterflugplan zugebilligten Slots in Tegel auch im stärker frequentierten Sommerflugplan des nächsten Jahres behalten, kann gegenwärtig nicht gewährleistet werden, sagte Ulrich dem Tagesspiegel. Denn für die dort bereits etablierten Flugunternehmen gelten die international üblichen „Großvaterrechte“. Danach ist jeder Slot, der zu mindestens 80 Prozent ausgenutzt wurde, automatisch auch für das Folgejahr genehmigt. Konkrete Aussagen ließen sich deshalb erst im Oktober machen, so Ulrich. Für die Zukunftsplanung der Tempelhof-Flieger ist das jedoch viel zu spät.

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