Berlin : Tickets von Berlin nach Istanbul wieder billiger

Suzan Gülfirat

Jeden Montag im Tagesspiegel: ein Rückblick auf die in Berlin erscheinenden türkischen Tageszeitungen.

„Die Flugpreise brechen alle Rekorde“, stand am Mittwoch auf der Titelseite der Berlin-Beilage der Hürriyet, die jeden Mittwoch der Zeitung beigefügt wird. In den Unterzeilen zitierte die Zeitung den Besitzer des türkischen Reisebüros Budok in Spandau, Adnan Gürkule. „Ich habe in meinem ganzen Leben als Geschäftsmann nicht solche Preise gesehen.“ Schimpftiraden in türkischen Zeitungen kurz vor den Ferien in Berlin haben Tradition. Hier lebt die größte türkische Gemeinde außerhalb der Türkei mit knapp 200 000 Mitgliedern. In den ersten Ferientagen stehen auf den Tafeln mit den Abflugzeiten in den Flughäfen Tegel und Schönefeld unzählige Flieger in die Türkei. Am Ende der Ferien sind die Ankunftstafeln voll mit den Namen türkischer Städte. Die Hürriyet befragte dieses Mal Chefs von kleinen türkischen Reisebüros in Berlin, die auf die großen türkischen Reiseveranstalter, wie zum Beispiel Öger-Tours, schimpften. Von denen kaufen sie ihre Tickets. „Sie ziehen den Fluggästen das letzte Geld aus der Tasche“, zitierte die Zeitung Reisebürobesitzer. Die Kritik hat folgenden Hintergrund: Auch die Nachfahren der Gastarbeiter buchen eher ein Flugticket, als eine Pauschalreise, die zum Teil nicht wesentlich teurer ist. Denn die wenigsten wohnen in Hotels, wenn sie in die Türkei fliegen. Die Rentner wollen zudem ein möglichst preiswertes Ticket mit offenem Rückflugdatum. Die Kunden schimpfen sonst in den Reisebüros.

Unter diesem Text stand noch ein anderer kurzer Text, in dem die Hürriyet noch einmal die Chefs der kleinen Reisebüros zitierte: „Der Hürriyet sei Dank. Ihr Engagement für das Volk hat wieder einmal Wirkung gezeigt“, sollen sie gesagt haben. Denn sowohl Öger Tours, als auch Turkish Airlines haben ihre Preise gesenkt. „Ein Ticket von Öger-Tours nach Istanbul mit offenem Rückflugdatum kostet jetzt statt 320 Euro nur noch 300 Euro“, hieß. Die Berliner Reisebranche in die Türkei fest in türkischer Hand ist. In dieses Haifisch-Becken traut sich kaum ein deutscher Reiseveranstalter herein.

Auch Berliner Kommunalpolitiker kommen immer wieder zu Wort. „Wir haben uns mit der Gesundheitssenatorin getroffen“, hieß es außerdem. „Mangelnde Deutschkenntnisse sind im medizinischen Bereich ein großes Problem“, wurde Sozial- und Gesundheitssenatorin Heidi Knake-Werner (PDS) zitiert. Sprachschwierigkeiten hätten nicht selten falsche Behandlungen zu Folge, sagte sie und erzählte von einem neuen Projekt. Zweisprachige Helfer begleiten die Türken nicht nur zu Ärzten und in Krankenhäuser, sondern sie füllen auch medizinische Formulare aus.

Seit einigen Monaten erschient die Hürriyet-Beilage wieder. So kann man wieder öfter solche berlinspezifischen Themen lesen. Denn die türkischen Zeitungen erscheinen in ganz Europa. Entsprechend ist die Themenwahl.

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