Berlin : Tief im Minus: der Berliner Presseball

Jetzt werden Spender oder Käufer gesucht

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Ob irgendjemand bereit ist, 100 000 Euro für die Erhaltung des Berliner Presseballs zu spenden? Das wäre die Voraussetzung für den Fortbestand dieser 130-jährigen Tradition. Zu Mauerzeiten war er das wichtigste gesellschaftliche Ereignis in West-Berlin. Seit einigen Jahren steckt er in der Krise. Schon im vergangenen Jahr hatte es mit der angestrebten schwarzen Null bei dem Ball nicht ganz geklappt. In diesem Jahr fällt das Ergebnis desaströs aus. Mit rund 95 000 Euro soll der Deutsche Journalisten Verband Berlin beim Ritz-Carlton in der Kreide stehen. Dort hatte der Ball im Januar stattgefunden.

Zur genauen Summe mag sich der Vorsitzende Peter Pistorius zwar nicht äußern, bestätigt aber die prekäre finanzielle Situation. „Jetzt an den nächsten Presseball zu denken, wäre völlig absurd“, sagte er. „Wir können den Ball selber nicht mehr stemmen.“ Eigentlich sollte mit dem Erlös die Berliner Journalistenschule unterstützt werden. Nun denkt man daran, die Marke Presseball zu verkaufen, falls sich nicht doch noch ein Spender findet. „Wir brauchen dringend Geld.“

Begonnen hatte die Krise, als im April 2002 der langjährige Geschäftsführer Jürgen Grimming fristlos gekündigt wurde, weil er verschleiert hatte, dass der Ball schon seit Beginn der 90er Jahre defizitär war. Der Presseball gehörte zu den Auslösern eines heftigen Streits innerhalb des Verbandes, der letztlich zu einer Abspaltung der Presseball-Gegner führte, die einen neuen Verein gründeten. Im Moment wird daran gearbeitet, die beiden Verbände wiederzuvereinigen. Das macht es zusätzlich unwahrscheinlich, dass der Ball in der bisherigen Form und unter der gewohnten Regie weitergeführt wird.

Ein Selbstläufer wie im alten West-Berlin war er schon lange nicht mehr, trotzdem kosteten die Eintrittskarten im letzten Jahr bis zu 560 Euro. Nach der Wende und besonders nach dem Regierungsumzug wurde Berlin immer häufiger zum Schauplatz hochprofessionell organisierter Charity-Galas, die neben dem Bundespresseball den Konkurrenzdruck weiter erhöhten. Als im Oktober 2003 der Streit über den Fortbestand des Balles offen ausbrach, waren aus den fetten West-Berliner Jahren immerhin noch 100 000 Euro übrig. Die haben sich nun auch noch ins Minus verkehrt. Bi

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