Berlin : Tief im Norden

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VON TAG ZU TAG

Werner van Bebber ist beruhigt,

dass auch andere an Seelenkummer leiden

Vier, fünf Mal im Jahr fühlten wir uns besonders krank. Nicht direkt körperlich, aber doch teilweise, gewissermaßen als Bevölkerungsbestandteil. Und zwar dann, wenn eine der großen Krankenkassen ihren jährlichen Gesundheitsreport vorstellte. Wir Berliner waren immer bundesweit am schlimmsten dran. Immer hatten wir den höchsten Krankenstand und die längsten Fehlzeiten. Und stets hatten wir die Schlappe-Städter-Krankheiten der Leute, die nicht mal mehr eine Kiste Mineralwasser gehoben kriegen: Rückenkrank vom stundenlangen Bürositzen, entweder übergewichtig oder ausgezehrt, schwach auf der Brust und graugesichtig – Berlin, Hauptstadt der Raucher! – und ständig vergrippt vom U-Bahnfahren, wo alle immer alle anstecken. Aber jetzt hat die Techniker-Krankenkasse so etwas wie eine Trendwende festgestellt, jedenfalls bei den „psychischen Krankheiten“. Nicht Berlin führt, wie man denken sollte, die Statistik an – sondern Hamburg. Von wegen frischer Wind, Pfeffersäcke, „Hoch im Norden“ – in Hamburg grassieren Kummer und Sorgen. Aber wir ahnten es: Geld allein macht nicht glücklich, und ’ne Molle passt immer noch rein.

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