• Tiefflug in Tempelhof: Rosinenbomber streifte Baumwipfel Anwohner befürchteten, dass die DC3 in die Häuser stürzen könnte – Anzeige erstattet

Berlin : Tiefflug in Tempelhof: Rosinenbomber streifte Baumwipfel Anwohner befürchteten, dass die DC3 in die Häuser stürzen könnte – Anzeige erstattet

Klaus Kurpjuweit

Es ist der Albtraum von Flughafen-Anwohnern: Eine Maschine stürzt beim Starten oder Landen in die Häuser. Am Freitag Abend muss es nach Berichten von Anwohnern in Tempelhof gerade noch mal gut gegangen sein. Ganz knapp flog der ehemalige Rosinenbomber „DC 3“ über die Dächer der Häuserreihen zwischen der Manfred-von-Richthofen–Straße und dem Tempelhofer Damm. Er soll sogar eine 25 Meter hohe Pappel gestreift haben. Die Flugsicherung sieht das anders: Die Maschine sei tief geflogen, aber „nicht zu tief“. Gefahr habe nicht bestanden. Doch die Anwohner haben Anzeige erstattet.

„Ich hatte den Eindruck, die Maschine rast in die Häuser“, beschreibt der ehemalige Baustadtrat von Wilmersdorf, Uwe Szelak, die Szene. Er wohnt in der Einflugschneise. Nur ganz knapp habe es das betagte Flugzeug geschafft, über die Dächer der viergeschossigen Häuser wegzukommen. Laut Anwohner Thomas Bestgen hat die „DC3“ beimTiefflug den Wipfel einer Pappel gestreift.

Nach den Anzeigen der Anwohner sei das Flugzeug untersucht worden, sagt Flughafensprecherin Rosemarie Meichsner. Einen Schaden habe man jedoch nicht festgestellt. Wenn die Maschine den Baum nur mit dem Fahrwerk berührt haben sollte, würde das aber auch kaum beschädigt, erklärt ein Experte. „Die Flugzeuge kommen immer sehr dicht über unsere Dächer, aber so eng wie am Freitagabend war es noch nie“, sagte gestern Thomas Bestgen. Er sei immer noch entsetzt. Er hatte nach der Maschine geschaut, weil der Lärm besonders groß gewesen sei. „Da sehe ich automatisch nach oben.“

Die Route über die Häuser wird vor allem bei Rundflügen wie mit der „DC 3“ genutzt. Auch kleinere Privatmaschinen werden häufig so eingewiesen, weil sie auf der sonst kaum genutzten nördlichen Landebahn aufsetzen sollen, um den – mäßigen – Linienflugverkehr nicht zu stören. Linienmaschinen landen dagegen in der Regel auf der südlichen Bahn, zu der der Anflug über der Stadtautobahn und den S-Bahn-Gleisen erfolgt.

Vom Piloten der „DC 3“ war gestern keine Stellungnahme zu erhalten. Der „Rosinenbomber“ wird vom Air Service Berlin eingesetzt. Der 45-minütige Rundflug über Berlin und Potsdam kostet 99 Euro pro Person. Auch gestern waren wieder Flüge angesetzt. Zum Angebot von Air Service Berlin gehören ferner der „Hi-Flyer“ am Potsdamer Platz und das Wasserflugzeug in Treptow, das bei der Insel der Jugend stationiert ist.

Maschinen vom Typ der „DC 3“ trugen die Hauptlast bei der Luftbrücke während der Blockade West-Berlins 1948/49. Dabei war am 25. Juli 1948 eine Maschine kurz vor der Landung in Tempelhof über Friedenau abgestürzt. Beide Piloten wurden dabei getötet. Die meisten anderen Unfälle passierten außerhalb von Berlin. Tempelhof galt – und gilt – als sicherer Flughafen. Trotzdem ist er vor zwei Jahren nur knapp einer Katastrophe entgangen. Beim Anflug stürzte am 24. Mai 2001 ein einmotoriges Sportflugzeug, dessen Motor ausgefallen war, in einen Neuköllner Hinterhof. Beide Insassen des Flugzeugs starben. Dass es keine weiteren Verletzten oder gar Tote gab, war Glück.

Obwohl bisher verhältnismäßig wenig passiert ist, soll Tempelhof – wie auch Tegel – auch aus Sicherheitsgründen geschlossen werden. Beide innerstädtische Flughäfen würden nach heutigen Gesetzen nicht mehr genehmigt. Tempelhof war in der Nazi-Zeit ausgebaut worden; der zivile Flugbetrieb in Tegel startete unter Hoheit der Alliierten. Nach der Einheit Deutschlands wurden beide Flughäfen als genehmigt betrachtet.

Klagen von Anwohnern in Tegel sind bisher gescheitert. Die Initiative gegen den Betrieb von Tempelhof erwägt jetzt ebenfalls, vor Gericht zu ziehen. Die Anwohner wollen unterbinden, dass der Flughafen weiter aufgewertet wird. Denn vom alten Zentralflughafen aus wollen jetzt auch die Fluggesellschaften dba und Germania starten.

1 Kommentar

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben