Tierdrama in Berlin-Karlshorst : Feuerwehr rettet 100 Jungvögel aus verschlossenen Nestern

Mehr als hundert Jungsperlinge und brütende Mauersegler wurden in Karlshorst durch eine Rücksichtslosigkeit in Lebensgefahr gebracht. Eine Firma versperrte mit Kunststoff die Dachspalte, in der sich zahlreiche Nester befanden.

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Ungewöhnlicher Einsatz: Hier rettet die Feuerwehr in Karlshorst mehr als hundert eingeschlossene Jung-Sperlinge und brütende Mauersegler.
Ungewöhnlicher Einsatz: Hier rettet die Feuerwehr in Karlshorst mehr als hundert eingeschlossene Jung-Sperlinge und brütende...Foto: Bezirk Lichtenberg

Die Eingesperrten versuchten wie wild, sich frei zu hacken. Und die Ausgeschlossenen bemühten sich aufgeregt, zu ihren Jungen oder Partnern im Nest vorzudringen: Ein regelrechtes Vogeldrama hat sich am vergangenen Freitag in der Ilsestraße in Karlshorst ereignet. Wie erst jetzt bekannt wurde, verschloss dort eine Schädlingsbekämpfungsfirma unter dem Flachdach eines Mietshauses eine Mauerspalte, in der bis zu zwanzig Brutpaare von Sperlingen und Mauerseglern ihre Nester hatten.

Zahlreiche derzeit noch brütende Mauersegler sowie rund hundert Jungspatzen, die schon fast flügge sind, waren eingesperrt – etwa acht Stunden lang. Dann befreite die Feuerwehr die Tiere. Zuvor hatte eine Anwohnerin das Naturschutzamt des Bezirks Lichtenberg informiert. Ihr waren die hektisch am Dachrand umherflatternden Vögel aufgefallen.

Sperlinge und Mauersegler sind streng geschützt

Haussperlinge und Mauersegler stehen laut Bezirk „unter strengem Naturschutz“. Seit 2014 gilt die „Gebäudebrüterverordnung“. Danach dürfen ihre Nester nur außerhalb der Brutzeit an Gebäuden beseitigt werden. Und das auch nur in Abstimmung mit einem Ornithologen. Außerdem müssen Ersatzbrutstätten geschaffen werden. Der Vorfall an der Ilsestraße werde „ein Nachspiel“ haben, erklärt der zuständige Stadtrat Wilfried Nünthel. Man habe bereits ein Bußgeldverfahren eingeleitet. Auch der Feuerwehreinsatz werde in Rechnung gestellt.

Die Hilfsaktion dauerte drei Stunden

Offenbar gingen der Hauseigentümer und die Firma rücksichtslos vor. Arbeiter stopften die vierzig Meter lange Mauerspalte unter dem Dach des viergeschossigen Hauses mit Kunststoffmaterial zu. Sie hätten keine Vögel bemerkt, sollen sie dem Bezirk erklärt haben. Nachdem die Feuerwehrmänner ihre Leiter ausgefahren und den Schaumstoff binnen drei Stunden beseitigt hatten, stellten sie darin viele Löcher fest. „Offenbar haben die eingeschlossenen Tiere verzweifelt losgehackt“, sagt Heinz Nabrowsky vom Naturschutzamt. Kaum war die Sperre abends weg, stopften die Sperling ihren Jungen wieder die Schnäbel. Und die Mauersegler fütterten wieder ihre brütenden Partner.



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