Berlin : Tiere sind auch nur Menschen

Köpfe mit Charakter – Zweieinhalb Jahre lang hat Porträtfotograf Alexander von Reiswitz die Bewohner des Berliner Zoos fotografiert

Amélie Fidric

Jetzt stehen sie in einer Reihe mit Marlene Dietrich und Humphrey Bogart: „Alfonso“, „Bulette“ und „Schlampi“. Die Tiere aus dem Berliner Zoo als Individuen und nicht bloß als Vertreter ihr Art darzustellen, hat der Berliner Porträtfotograf Alexander von Reiswitz sich zweieinhalb Jahre lang als Aufgabe gestellt. Ergebnis: eine Reihe glamouröser Porträtaufnahmen der bekanntesten Zoo-Bewohner im Stil der klassischen Schwarz- Weiss-Fotografie. 20 davon sind vom 22. August an in der Kleinen Orangerie von Schloss Charlottenburg ausgestellt. Die Idee des Fotokünstlers klingt simpel: „Dem Namen ein Gesicht geben, sonst nichts.“

Viel Zeit verbrachte von Reiswitz nicht nur mit den Zoo-Bewohnern, sondern auch mit ihren Pflegern. Sie halfen ihm bei der schwierigen Aufgabe, Tiere unter Studio-Bedingungen zu fotografieren. Ihre Kenntnis und Verbundenheit mit den Tieren war für von Reiswitz unersetzlich: „Ich wusste auch um die Gefahr, so nah an die Tiere heranzugehen.“ Mit überdimensionaler Leinwand und Lichtreflektoren schaffte sich der Fotograf Bedingungen, wie sie für Porträtaufnahmen von Stars üblich sind. Die Arbeit mit den Zootieren erwies sich manchmal als schwierig: „Ich musste oft auf den richtigen Augenblick warten“, sagt von Reiswitz. „Tiere sind unberechenbar, aber das ist eben auch das Schöne an ihnen.“ Während der Marabu Klapperkopp und der Nashorn Schlampi in der Nähe des Fotografen gelassen blieben, kam von Reiswitz nur auf einen Abstand von 60 Zentimeter an Bulette heran: „Das Flusspferd blieb unnahbar.“ Das überraschende Ergebnis seiner Portraits erklärt von Reiswitz sich so: Weil er von Beruf eben nicht Tierfotograf ist, sind aus den Begegnungen auch nicht die üblichen Tierfotos entstanden.

„Glamour und Dösen. Zoogestalten“, 22. August bis 28. September, Kleine Orangerie, Schloss Charlottenburg, freier Eintritt.

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