Berlin : Tiergarten fühlt sich mit den Grillfreunden allein gelassen

Tobias Arbinger

Rauchschwaden und der Geruch brutzelnden Fleisches - am Wochenende waren die Wiesen am Schloss Bellevue fest in den Händen der Grillfreunde. Nicht unbedingt zur Freude des bezirklichen Grünflächenamtes: Rund 35 Kubikmeter Müll müssen nach einem sonnigen Wochenende weggeräumt werden. Außerdem ignorieren viele Freiluftköche die ausgewiesenen Grillzonen.

Viel mehr aber ärgert Tiergartens Bezirkspolitiker, dass der Große Tiergarten sich immer mehr zum zentralen Grillplatz der Stadt entwickelt, während andere Bezirke ihre Grillzonen dicht machen. Von einer "rigerosen Schließungspolitik" sprach gestern Tiergartens Bürgermeister Jörn Jensen (Grüne). "Unsolidarisch" fand Baustadtrat Horst Porath (SPD), dass andere Bezirke erst gar keine Grillflächen ausweisen. Die Sprecherin von Stadtentwicklungssenator Strieder, Petra Reetz, sagte, dass zwar Sicherheitsaspekte und Erholungsbedürfnis anderer berücksichtigt werden müssten. Es könne aber nicht heißen: "Wer grillen will, soll in den Tiergarten gehen". Die Bezirke müssten ihren Bewohnern Angebote machen. "Das Grillen gehört zu den Eigenheiten der Großstadt".

14 ausgewiesene Grillzonen gab es einmal, 11 sind es heute. Von den Innenstadtbezirken lässt neben Tiergarten nur Kreuzberg das Grillen zu. Vor etwa einem Monat ließ das Bezirksamt Reinickendorf drei öffentliche Grills im Freizeitpark "An der Malche", elf im Freizeitpark Lübars abbauen. Dort hätten Grillfreunde regelmäßig "in nicht mehr hinnehmbarem Maße" Müllberge hinterlassen, Feuer unter Bäumen entzündet und heiße Asche auf den Rasen gekippt, sagte der stellvertretende Leiter des Grünflächenamtes, Hans Bartel. Wilmersdorf hat schon vor Jahren eine Grillstätte im Volkspark geschlossen.

Andere Bezirke erlauben das Grillen erst gar nicht. Es sei mit dem Grundgedanken des Parks als Erholungsfläche nicht vereinbar und auch des Brandschutzes wegen abzulehnen, sagte Neuköllns Umweltstadtrat Heiz Buschkowsky (SPD). Überall dort, wo man es dürfe, seien "Auswüchse" zu beobachten, blieben "unappetitliche" Essensreste liegen. Trotzdem werde in der Hasenheide unerlaubt gegrillt. "Zwei bis drei Mal im Jahr" gebe es deshalb großangelegte Kontrollen von Grünflächenamt und Polizei. Für mehr sei kein Personal vorhanden, sagte Buschkowsky. Dazu komme, dass die Kontrolleure, beispielsweise die Umweltstreifen, keine hoheitlichen Befugnisse hätten. Hohenschönhausen geht anders vor. Um zu verhindern, dass der einzige Grillplatz des Bezirks vermüllt wird, muss man sich im Bezirksamt anmelden.Mehr zum Thema im Internet

www.tiergarten.de und

www.meinberlin.de/grillen

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