Berlin : Tiergartener Poststadion: Ein paar Ränge der Natur abgerungen

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Die Natur hat sich die Ränge rund um den Fußballrasen des alten Poststadions in Tiergarten längst wieder zurückgeholt. Auf den für Zehntausende von Zuschauern konzipierten Sitz- und Stehplätzen aus den 20er Jahren wachsen seit Jahren Bäume: Das Blattwerk kleiner Robinien, Ahornbäumen und Pappeln leuchtet in der Herbstsonne. Nun ist zumindest wieder ein Teil des Stadions für den ursprünglichen Zweck hergestellt.

Seit 1998 haben Teilnehmer von Arbeitsprogrammen für Sozialhilfeempfänger die Nordtribüne gerodet, die Erde ausgewechselt und neue Bänke aus Eichenholz installiert. Platz für 2000 Zuschauer "oder für 1600 Dicke", scherzte Tiergartens Baustadtrat Horst Porath (SPD) bei einer Besichtigung. Der Rest des Stadions macht hingegen eher einen verwahrlosten Eindruck: Die baumbewachsenen Ränge sind noch schön anzusehen, die vor sich hin modernde, für Zuschauer gesperrte Haupttribüne weniger.

Das Stadion sollte ursprünglich für 80 Millionen Mark und in einer abgespeckten Variante dann noch für 40 Millionen Mark, saniert werden. 1998 wurde das Vorhaben aus Geldmangel aufgegeben. Allein Torgebäude mit technischen Anlagen im Osten des Stadions wurden bislang neu gebaut, für drei Millionen Mark. Etwa fünf Millionen Mark seien bislang für die Planungen ausgegeben worden, sagte Porath. Er kritisiert, dass hohe Auflagen für die denkmalgeschützte Haupttribüne und die Kartenhäuschen des vom Jahr 1925 an für den Postsportverein errichteten Platzes die veranschlagten Kosten in die Höhe getrieben hätten.

Wie es mit dem Stadion weitergeht, ist bislang unklar. Dort spielen Vereine wie der SC Union 06 (Kreisliga), der FC Tiergarten 59 (Bezirksliga) und der türkische Verein Fenerbarce (Landesliga). Für die Zuschauer der Vereinsspiele reiche die neue Tribüne völlig aus, sagte Porath, der selbst schon im Stadion gekickt hat. Die Anlage komplett zu sanieren, ist für den Bezirk eine Nummer zu groß, sagte Sportstadtrat Michael Wendt (Bündnis 90 / Grüne). Der Senat betrachte das Stadion nicht als Sportstätte mit überbezirklicher Bedeutung, sagte er.

Und auch die Frage, ob es mit weiteren Arbeitsprogrammen hergerichtet werden kann, ist offen. Heinz Klare vom Beschäftigungsträger Bildungsmarkt e. V. bezweifelt, dass eine Entscheidung darüber noch vor der Bezirksfusion im kommenden Januar getroffen wird. Immerhin hat das aktuelle, mit Geldern des Programms "Integration durch Arbeit" finanzierte Projekt ehemaligen Sozialhilfeempfängern für ein knappes Jahr einen Anstellungsvertrag gebracht. Zwei Teilnehmer haben im Anschluss ihrer Tätigkeit bereits eine neue Beschäftigung auf dem so genannten ersten Arbeitsmakt bekommen.

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