Tierheim Falkenberg : Traurige Ferien für Mieze

So voll war es im Tierheim Falkenberg auch in der Urlaubszeit noch nie: 1500 Tiere suchen ein neues Zuhause. Vor allem in der Klinik wird es inzwischen eng

Matthias Jekosch
Katze
Ausgesetzt und abgegeben. Rund 650 Katzen im Tierheim warten auf ein neues Zuhause. -Foto: Doris Spiekerman-Klaas

Heike Kuss sitzt entnervt hinter dem Tresen in der Annahmestelle des Tierheims Falkenberg. Bis zum Mittag hat sie mit ihrer Kollegin schon 45 Tiere neu aufgenommen. „Innerhalb der normalen Zeiten kann man den Andrang gar nicht mehr schaffen“, sagt sie. Für jedes Tier ist der Vorgang der gleiche: Pass ausstellen, Informationszettel ausfüllen, Namen geben. Heike Kuss wirft einen Blick auf eine Seite mit Tiernamen, trägt „Hutzelmann“ auf einen Zettel ein und nimmt sich des nächsten Neuankömmlings an. Immer wieder zur Urlaubszeit steigt die Zahl der ausgesetzten Tiere, aber so voll wie in diesem Jahr war es im Tierheim Falkenberg noch nie.

Insgesamt 1500 kleine Gäste bevölkern die „Benji“ oder „Garfield“ getauften Unterkünfte. Das sind 300 mehr als im letzten Jahr. Vor allem die 650 Katzen sowie 300 Kleintiere stellen das Tierheim vor Platzprobleme. Zwei Wochen lang setzte das Heim gar die Vermittlungsgebühr für Katzen von 85 auf 20 Euro herunter, um die Tiere besser loszuwerden. Die Aktion war umstritten und wird vorerst nicht wiederholt. Woher der starke Andrang kommt, kann sich Evamarie König vom Tierheim nicht so richtig erklären. „Vielleicht liegt es an der finanziellen Situation der Leute. Bei Katzen könnte eine Erklärung sein, dass nicht mehr so viel kastriert wird und es deswegen mehr Nachwuchs gibt.“

Gerade die Tierklinik auf dem Gelände ist überfüllt. In einem Rondell blitzen die Käfigtüren silbern im Licht. Hinter jeder ist ein vierbeiniger Patient untergebracht. Alle neuen Heimbewohner werden bei Bedarf geimpft, Katzen zusätzlich kastriert, und müssen noch einige Tage auf der Station verweilen. Das erfordert viel Arbeit und Platz und stellt die Klinik vor Raumprobleme.

Im „Bugs Bunny“-Haus nebenan stehen einige Käfige mit Kaninchen schon im Gang. Nur behelfsmäßig sind kleine Notizzettel an den Boxen angebracht. Für die üblichen Karteikarten blieb anscheinend keine Zeit. Die zusammenhängenden Außen-und Innenboxen wurden eigens getrennt, um mehr Unterkünfte zur Verfügung zu haben. Bei den Hunden ist die Situation etwas entspannter. Oftmals sind die insgesamt 265 Tiere zu dritt untergebracht, die Katzen teilen sich bis zu sechst eine „Stube“, wie es im Tierheim heißt.

Doch auch bei den Hunden gibt es ständig neuen Zuwachs. Erst am Donnerstag streunte ein verstörter Dobermann vor dem Tierheimgelände in Hohenschönhausen herum. Wenig später fanden Tierheimmitarbeiter in der Nähe die durchgebissene Leine an einen Pfosten angebunden.

Vor dem Tierheim gehen gerade Jan und Christina Nowak mit einem kleinen schwarz-weißen Kater Richtung Parkplatz. Sie sind gerade eben erst aus dem Urlaub zurückgekommen und holen den zwei Monate alten Kater aus dem Tierheim ab. Für diejenigen, die vor einem Urlaub ihr Tier schnell loswerden wollen und es einfach am Straßenrand oder an einer Laterne aussetzen, hat Christina Nowak kein Verständnis: „Wenn das Geld für den Urlaub reicht, dann auch für das Tier.“ Beim Tierheim empfindet man genauso und sieht sich als letzte Anlaufstation. Pensionen oder Pflegefamilien bieten beispielsweise alternativ ihre Dienste an.

Wer sein Tier persönlich abgibt, bekommt in Beratungsgesprächen diese und andere Möglichkeiten aufgezeigt, wie man es vielleicht doch noch behalten könnte. Aber oft ist es, als ob man gegen eine Wand redet. „Viele haben mit dem Tier schon abgeschlossen, die wollen gar kein Beratungsgespräch“, hat Heike Kuss festgestellt. Dann liegt es an den 100 Mitarbeitern, sich um die Tiere zu kümmern. Derzeit wurde eine Urlaubssperre verhängt, um den Andrang bewältigen zu können. Doch bei aller Liebe ist auch Evamarie König klar, dass die Pfleger die „Bezugsperson nicht ersetzen können“. Der letzte Kater der Nowaks hatte es in der Hinsicht gut. Das letzte Jahr erblindete er, doch seine Besitzer entschieden: „Wir behalten ihn so lange, wie es geht“, erzählt Jan Nowak. Matthias Jekosch

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben