Berlin : Tierisch gut

Warum Oscar-Kandidatin Charlize Theron in Berlin Hunde suchte und Cate Blanchett Reiten lernte

Andreas Conrad

Sie hat keine Hunde gesehen? In Berlin? Unglaublich. Aber Charlize Theron beharrt auf ihrer Enttäuschung. Stets hat sie ein Doggy Bag dabei, verteilt daraus auf der Straße manchen Bissen. Nur am Freitag nach einem Restaurantbesuch war der Beutel überflüssig: kein Hund, nirgends. Pech für Berlin, die Tierliebe der Schauspielerin ist berühmt, war US-Magazinen wie „Animal Fair“ Titelgeschichten wert. Vier Hunde hat sie selbst, darunter die Cockerspaniel Denver und Delilah. So heißt auch ihre Produktionsfirma.

Eine halbe Stunde in nicht zu großer Runde mit einer Oscar-Anwärterin – man bekommt schon was geboten auf der Berlinale. Und anders als das aufgeschwemmte, vom Leben gezeichnete „Monster“ Aileen Wuornos, Titelfigur der Regiedebütantin Patty Jenkins, ist Charlize wunderschön und weiß sich für solch einen Termin, selbst ohne Fotografen, aufs Dekorativste zu kleiden: halblanger, silbern glitzernder Schuppenrock, zartgelbes Spaghetti-Top, an dessen Ausschnitt sie allerliebst nestelt, bis sie zu frösteln beginnt und – schade – sich ein duftiges Jäckchen über die bloßen Schultern wirft.

Doch man denke nicht, sie sei vor allem was fürs Auge. Die Serienmörderin Aileen ist noch in Charlizes Therons Darstellung alles andere als das. 14 Kilo musste sich die in Südafrika geborene Schauspielerin anfuttern. Probleme mit der eigenen Hässlichkeit auf der Leinwand? Die Schöne will keinen Zweifel daran aufkommen lassen, dass ihr das Aussehen nicht so wichtig ist. Nicht der Starrummel mache einen Schauspieler aus. „Dessen Arbeit ist die Verwandlung“, sagt sie fast apodiktisch. „Wenn ich als Schauspieler arbeite, existiere ich persönlich nicht.“ Mit Aileen hat sie zum ersten Mal eine reale Person dargestellt, für sie ein „Fisch-ohne-Wasser-Experiment“. Immerhin gab es die Briefe der Mörderin, die sie am Abend vor der Hinrichtung freigegeben hatte. Verwandlung – das bedeutete in diesem Fall, dass sich Charlize Theron zu einer getreuen Kopie entwickeln musste, sprachlich, im Auftreten – und leider auch als Raucherin. Acht Monate vor den Dreharbeiten hatte sie das Rauchen aufgegeben, jetzt qualmt sie wieder.

Sorgfalt war für Charlize Theron auch die Suche nach Wahrheit. Sie wollte verstehen, warum Aileen zur Mörderin wurde, nicht etwas weglassen, weil es auf der Leinwand nicht gerne gesehen würde. An den originalen Schauplätzen zu drehen, im „Last Resort“, der Kneipe, wo Aileen festgenommen wurde, mit den Leuten zu sprechen, die sie kannten – all dies hat ihr dabei sehr geholfen.

Damit sind die Minuten mit der Schönen auch schon vorbei. Nun, neue Begegnungen warten, das Angebot an Stars scheint doch besser zu werden, als der Eröffnungsabend andeutete. Juliette Binoche versäumte zwar gestern ihre Pressekonferenz, lief aber abends über den roten Teppich. Kurz vorher hatte die hochschwangere Cate Blanchett zu „Missing“ Auskunft gegeben. Einen Western-Thriller, der in New Mexico im Jahr 1885 spielt. Sie gestand, dass sie nur mangelnde Western-Vorkenntnisse hatte, woher auch, die 34-Jährige kommt aus Melbourne, Australien. Auch das Reiten, das für den Film notwendig war, hat sie erst kurz vor den Szenen gelernt. Ansonsten erwartet sie in wenigen Wochen ihr zweites Kind. Heute kommt Peter Fonda, besucht abends die „Easy Rider“-Vorstellung, und Renée Zellweger holt ihren „Cold Mountain“-Auftritt nach. Jude Law folgt später.

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