• Tierische Gastgeschenke: Was Berlin von seinen Partnerstädten hat - und die Partnerstädte von Berlin

Berlin : Tierische Gastgeschenke: Was Berlin von seinen Partnerstädten hat - und die Partnerstädte von Berlin

Silke Derkum

Zu einer Partnerschaft gehört Ehrlichkeit. So gesehen war es wohl in Ordnung, dass Hertha BSC Berlin die Mannschaft Pachtakor aus der Partnerstadt Taschkent mit 10 : 0 vom Platz fegte. Aber nicht immer und auf jedem Gebiet ist Berlin seinen Partnern überlegen. Das wäre ja auch zu langweilig, bei bald 16 Partnerstädten.

Die Partnerschaft mit Windhoek wäre bereits die 16. dieser Art, die Berlin eingeht. Die US-Metropole Los Angeles machte 1967 den Anfang. Damals waren die Kontakte in die Filmwirtschaft ein wichtiger Faktor bei der Wahl der Partnerstadt. Wirtschaftliche Kontakte spielen auch heute noch eine große Rolle, wenn es um die Auswahl der Partnerschaften geht. "Es ist leichter, Aufträge für Berliner Firmen zu bekommen, wenn dort eine Städtepartnerschaft besteht", sagt Klaus Haetzel vom Senatspresseamt.

Weitere Ziele: das Schaffen von Begegnungsmöglichkeiten sowie Erfahrungs- und Informationsaustausch, letzteres besonders im Hinblick auf stadtpolitische Themen. Zum Beispiel partizipiert die Berliner Drogenbeauftragte von den Erfahrungen ihrer Brüsseler Kollegen, Budapester Sozialpädagogen bilden sich beim Jugendhilfewerk Berlin weiter, Istanbuler Polizeibeamte kommen zum Studienaufenthalt nach Berlin, während die Berliner Beamte gleiches in Ankara und Istanbul erleben. Eine Delegation der Stadtregierung Jakarta informiert sich in Berlin zum Thema Lebensmittellagerung und -qualitätssicherung, und 15 Berliner Bewährungshelfer besuchen ihre Kollegen in Los Angeles.

Ein noch größerer Austausch findet auf kulturellem Gebiet statt. Dazu gehören Gastspiele von Orchestern aus Buenos Aires, Paris und Madrid in Berlin und die entsprechenden Gegenbesuche, Ausstellungen internationaler Künstler in Berlin, Tanzprojekte sowie Aufführungen Berliner Ensemble an den partnerstädtischen Bühnen. Besonders Moskau und Warschau heben sich mit einer Fülle von Veranstaltungen hervor, von denen gemeinsame Konferenzen zur "Plattenbau- und Großsiedlungsproblematik" nur ein Teilstück sind. Ein weiteres ist der Schüleraustausch, der auch mit Tokio und Peking läuft.

Auch ein Austausch auf tierischer Ebene findet statt. Neben den Pekinger Pandabären erfreuen drei weitere Bären aus Buenos Aires die Zoobesucher, und im Tierpark Taschkent leben über 70 Tiere aus dem Zoologischen Garten in Berlin.

Der Austausch im kleinen bleibt eher den Bezirken vorbehalten. Über 90 Partnerschaften mit Städten oder Stadtbezirken haben die Bezirke vorzuweisen. Die Spitzenposition halten dabei Köpenick, Reinickendorf und Wilmersdorf mit je acht Partnerstädten. "Die Bezirke sind in der Auswahl und Gestaltung ihrer Partnerschaften völlig frei", sagt Klaus Haetzel.

Viele davon bestehen schon seit Kriegsende. Das ist vielleicht ein Grund dafür, dass Israel mit zwölf Orten die meisten Partnerstädte stellt. Danach folgen Polen mit zehn und Frankreich mit neun Partnern. Die Bezirkspartnerschaften bewegen sich häufig auf einem anderen Level, so Haetzel. Der Austausch liefe über Schulen, Sportvereine oder ansässige Unternehmen und sei daher oft persönlicher als der Austausch zwischen den Hauptstädten.

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