Tierische Geschenke : Da liegt ein Riesengespenstschrecke unterm Baum

Lebewesen als Weihnachtsgeschenk sind eigentlich total daneben. Für alle, die es dennoch wagen wollen: ein Pro & Contra nach Art & Rasse.

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Der Hamster - ein beliebtes Rascheltier
Der Hamster - ein beliebtes RascheltierFoto: picture-alliance/ dpa

Es gibt mehrere Fragen, die das Haustier begleiten. Ist es ein überhaupt ein Haus- oder doch eher ein Heimtier? Wo ist der Unterschied? Braucht der Mensch so etwas? Und wenn was genau?

Die letzte Frage lässt sich zuallererst mit den Faktoren Zeit, Platz und Geld bemessen.

Wer nichts von allem hat, sollte beispielsweise auf keinen Fall einen Hyazinth-Ara anpeilen. Der kobaltblaue Großpapagei kostet um die 10 000 Euro, und er will beschäftigt werden, sonst hackt er mit seinem Schnabel nicht nur Kokosnüsse kurz und klein, sondern womöglich auch die Schrankwand.

Wer weder Zeit, Geld noch Platz hat und auch keine Schlangenphobie, für den könnte sich die nordamerikanische Kornnatter als praktisch erweisen. Die rötlich-schwarze Schlange (bei Ebay ab 20 Euro) verbraucht nur alle zwei Wochen eine Maus oder kleine Ratte. Die verschlingt sie mit einem Happs und verdaut dann tagelang. Kornnattern werden arbeitnehmerfreundlich erst am Abend richtig fit. Dann winden sie sich um die Arme ihres Halters, weil sie Körperwärme lieben. Sie sind ungiftig und beißen nicht, weshalb es auch nichts macht, wenn man mit ihnen im Strickjackenärmel vor dem Fernseher einschläft. Besser wäre allerdings ein Terrarium.

Die Katze - Rücksicht auf die Bedürfnisse ihres Halters wurden noch nicht beobachtet.
Die Katze - Rücksicht auf die Bedürfnisse ihres Halters wurden noch nicht beobachtet.Foto: picture alliance / dpa

Ebenfalls kuschelig verhält sich des Deutschen Lieblingsheimtier: die Katze. Allerdings nur, wenn es ihr passt. Rücksicht auf die Bedürfnisse ihrer Halter wurde bei Katzen noch nicht beobachtet, deshalb eignen sie sich vor allem für Menschen, die Abfuhren gut ertragen. Tierheime halten Katzen zum kostenlosen Abholen vor, wer aber auf Exklusivität besteht, kann auch bis zu 10 000 Euro für eine Savannah-Katze zahlen oder es mit einer ungewöhnlichen Rasse wie der Schottischen Faltohrkatze versuchen, die ihr Ohren einklappen kann und mangels Jagdtrieb wie gemacht ist fürs Sofa.

Breite Preisspannen zeigt auch der Deutschen zweitliebstes Haustier namens Hund. Vom Tierheim-Gratisköter bis zum reinrassigen Tibetischen Mastiff für eine Million US-Dollar ist alles möglich. Anders als bei der Katze ist bei der Betreuung von Hunden körperlicher Einsatz in unterschiedlichen Ausmaßen nötig. Während man einen Bassett noch mühelos zwischen Herd und Bett zu Tode hetzen kann, verlangt der Border Collie im Grunde nach einem klaustrophobischen Besitzer, der wie er nur im Freien froh sein kann. Jeder Neu-Hundebesitzer oder Hundeverschenker prüfe sich vor dem Kauf streng auf folgende Frage: Bin ich / Ist der/die Zubeschenkende je gerne bei Ekelwetter spazieren gegangen?

Der Hund - will viel beschäftigt sein. Hier ein klassischer Foxterrier, etwas aus der Mode gekommen.
Der Hund - will viel beschäftigt sein. Hier ein klassischer Foxterrier, etwas aus der Mode gekommen.Foto: IMAGO

Für alle Hunde gilt ansonsten, dass sie beschäftigt sein wollen. Den großen stehen vielerorts ausgeklügelte Agility-Strecken zur Verfügung, den kleinen kann man einen abwechslungsreichen Parcours auch mit Pappbechern und Puppenstubeneinrichtung basteln (s. Misa Minnie im Onlinekasten). Da Hunde wie Hosen- und Mantelschnitte Moden unterworfen sind, eignen sie sich für Statements übers Tier hinaus. Apropos: Was ist eigentlich aus dem It-Dog der 1960er Jahre, dem Foxterrier, geworden?

Der Hamster ist ebenfalls ein beliebtes Rascheltier fürs Wohn- oder Kinderzimmer, dessen berühmteste Unterart der Syrische Goldhamster eine besondere Geschichte hat. Anno 1930 hat in der Nähe von Aleppo ein Forscher ein Weibchen mit elf Jungen eingefangen, um Versuchstiere zu züchten. Nur drei Jungtiere überlebten, vermehrten sich aber so erfolgreich, dass auf sie heute alle in Gefangenschaft lebenden Goldhamster zurückgehen. Wer angesichts dieser Sensationsmeldung nun sofort zum Zooladen stürmen und einen Hamster herzen will: Halt, Stopp! Die Tiere sind zum Beobachten, nicht zum Anfassen geeignet. Dazu kommt: Hamster schlafen tags und rascheln nachts, oder sie rennen im Hamsterrad herum. Manchen stürzte dieser Anblick schon in eine Depression.

Das Kaninchen - flauschiges Fell, elend viel miefiger Dreck. Perspektivisch ein Haustier für opferbereite Eltern.
Das Kaninchen - flauschiges Fell, elend viel miefiger Dreck. Perspektivisch ein Haustier für opferbereite Eltern.Foto: picture alliance / dpa

Von Hasen/Kaninchen lässt sich sagen, dass sie niedlich ausschauen, wenn sie so dahocken mit schwarzen Knopfaugen und flauschigem Fell. Aber zur Wahrheit gehört auch, dass man von Hasen/Kaninchen darüber hinaus nicht mehr viel zu erwarten hat. Manchmal lassen sie sich auf den Arm nehmen, manchmal zerfetzen sie einem für den Versuch den Pullover. Alle machen elend viel miefigen Dreck, und jedem, der seinem Kind einen Hasen/Kaninchen schenken möchte, sei vorhergesagt: Er selbst, nicht das Kind, wird den Dreck perspektivisch beseitigen. Insgesamt eignen sich diese Tiere vor allem für opferbereite Menschen.

Der Wellensittich - abends den Käfig zudecken, dann ist Ruhe.
Der Wellensittich - abends den Käfig zudecken, dann ist Ruhe.Foto: IMAGO

Ganz anders der Wellensittich. Ein knuffiger Geselle, der sich auf den Menschen einstellt, ihn stimmlich nachahmt und Kontakt zulässt. Abends wird der Käfig zugedeckt, dann ist – mit Glück – Ruhe.

Wem das zu viel Nähe ist, sollte sich Riesengespenstschrecken schenken lassen. Die mit zwei Euro billigen, quietschgrünen, bizarren Geschöpfe aus den Regenwäldern Malaysias sind genügsam. Sie hängen den ganzen Tag in ihrer Lieblingsnahrung – Brombeer- und Himbeerzweige – ab und brauchen nur ab und zu eine Dusche mit der Blumenspritze.

Buntratten sind der Knüller, kommen aber nicht aus dem Akzeptanzloch

Der Knüller unter den Haustieren kommt seit Jahren nicht raus aus dem Akzeptanzloch: die Buntratte. Man kann mit ihr spielen, sie ist temperamentvoll, liebt den, der sich um sie kümmert, und lernt jede Menge Tricks. Einige Wiederholungen reichen manchmal schon aus, aber alles macht sie auch nicht mit. Ist ihr eine Übung zu blöd, hilft gar nichts.

Bei blöd denkt mancher an Fische, was vor allem mit deren Gesichtsausdruck zu tun hat. Andererseits: Wie sieht man selbst unter Wasser aus? Zum Gefährten ist der Fisch wegen Element-Ungleichheit kaum geeignet, wohl aber als Freude – jedenfalls für den Freund des Kontemplativen. Auch die Schildkröte ist ungeachtet ihres archaischen Aussehens und ihrer seltsamen Lebensweise (monatelanges Pennen im Kühlschrank) zu einem beliebten Haustier geworden, was sich vielleicht mit dem Wunsch vieler Menschen erklärt, doch lieber ihre Ruhe zu haben.

Zufriedene Meerschweinchen machen Luftsprünge

Zu guter Letzt hoppelt dann noch das Meerschweinchen um die Ecke, das zwar einen niedlichen Deminutiv im Namen trägt, ansonsten aber auch Ansprüche stellt. Meerschweinchen leben gerne gesellig und außerdem mehrstöckig. Sie fressen und schlafen im flotten Wechsel und sind grundsätzlich in der Lage, zu jeder Tages- und Nachtzeit die Sau rauszulassen. Luftsprünge gelten beim Meerschweinchen als Zeichen für Zufriedenheit. Was sie mit manchem Weihnachtsbeschenkten gemeinsam haben dürften.

Die Biene - jetzt auch in der Balkonbox zu Hause.
Die Biene - jetzt auch in der Balkonbox zu Hause.Foto: picture alliance / dpa

Aber sind solche nutzlosen Gefährten in rauer werdenden Zeiten überhaupt zeitgemäß? Sollte man nicht statt tierlieb wirtschaftlich denken? Wer hierzu Ja sagen kann, dem sei ein Bienenstock empfohlen, den gibt es jetzt auch für Balkone.

Tipps & Adressen für Tierkauf- und Beratung:

Das Tierheim Berlin hat unter der Internetadresse www.tierschutz-berlin.de von Hund bis Exot viele Tiere aufgelistet, die ein neues Zuhause suchen. Adresse:

Hausvaterweg 39, 13057 Berlin-Falkenberg, Tel. 030/76 888-0.

Kornnattern: www.floppy-snakes.de, Tel.: 0171-4514395.

Buntratten: www.ig-farbratten-berlin.de, Tel. 030/5621915.

Riesengespenstschrecken: www.ig.terraristik-berlin.de.

Wellensittiche: www.club-ornis-berlin.de, Tel. 030/53007186.

Meerschweinchen sind im Internet vertreten z.B. unter www.notmeerschweinchen-berlin.de, Tel. 030 / 67 89 26 44.

Bienen: www.stadtbienen.org oder www.bienenkiste.de, Tel. 040/ 88168335.

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