Tierpark-Tag : Schlangen im Affenkäfig

Am Tierpark-Tag konnten die Besucher hinter die Kulissen gucken – und viel über Artenschutz erfahren.

Annette Kögel
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Kleiner Schwarzer. Im Tierpark wurde gestern Lemurenaffe "Solo" während einer Führung von Tierarzt Andreas Pauly mit Bananen...Foto: Uwe Steinert

Auf dem Röntgenbild sieht man zwei große Eier inmitten der Schildkröten-Silhouette. Also alles in Ordnung beim Sorgenkind, das weiß Tierarzt Andreas Pauly jetzt. Um die Aufnahme scharten sich in der Klinik des Tiergartens gestern gleich hundert Neugierige. Im Affenhaus wollten ebenso viele zur Fütterung, dort musste man die Menschenmasse kurzerhand in zwei Gruppen teilen. Insgesamt kamen rund 10 000 Gäste zum „Tierpark-Tag“ mit Schwerpunkt Artenschutz, beinahe doppelt so viele wie an einem üblichen sonnigen Frühjahrssonntag. „Wir wollten den Leuten angesichts der Diskussionen die Gelegenheit geben, sich selbst ein Bild von der Tierhaltung zu machen“, sagte Pressesprecher Detlef Untermann. Wegen des Erfolges könnte es solche Artenschutz-Tage auch bald im Zoo geben.

„Während die Abgeordneten über die Vorwürfe gegen unseren Chef diskutieren, geht bei uns die tägliche Arbeit weiter“, sagte ein Zoo-Pfleger. Auch am Lamahaus war es voll: Dort, wo Zoochef Bernhard Blaszkiewitz nach eigener Aussage jungen Katzen vor 17 Jahren das Genick gebrochen hat. Die Besucher durften auf die Anlage zu den Alpakas, also Nutzkamele, und füttern sie, wer hätte das gedacht, mit Knäckebrot. Eine Pflegerin bedauerte, dass mit den – bislang vorwiegend unbelegten – Vorwürfen die gesamte Belegschaft diskreditiert werde. „Da bleibt doch leider immer etwas hängen“, sagte ein anderer Pfleger.

Doch Berliner und Brandenburger Tierfreunde scheint das nicht zu schrecken. Bei dem vom Förderverein initiierten Aktionstag bildeten sich – vermutlich auch wegen des vergünstigten Eintritts – schon morgens bei der Vogelstimmenführung Schlangen. Nur am Stand des Bundesumweltministeriums, wo es auch Knut-Briefmarken gab, hätte man sich mehr Gäste gewünscht. Bei der Artenschutz-Führung erfuhren die Gäste, dass 150 der 970 Arten im Tierpark in freier Natur vom Aussterben bedroht sind. Hinter Gittern vermehren sie sich aber dank fehlender Feinde und tierärztlicher Versorgung bestens.

So gehören zu den „Patienten“ von Tierarzt Andreas Pauly viele Tiere, die in einem Zoo „eben sehr alt und dann etwa blind werden“. Zudem „kümmern wir uns sehr um die Prophylaxe, dass beispielsweise Pinguine keine Pilzerkrankungen bekommen“, erklärte Pauly im mit Besuchern überfüllten OP-Raum der Tierklinik. Er entkräftete Vorwürfe, ein Panther und ein Javaleopard hätten nicht gekreuzt werden dürfen. Auch sei kein Tier ohne Genehmigung des Bundesamtes abgegeben worden. Die Forderung von Abgeordneten, Zootiere müssten mit einem Chip gekennzeichnet werden, sei überholt: So zeigte Pauly bei der Führung neben Transportkisten auch Markierungsgeräte, mit denen die meisten Tierparktiere längst mit einem Chip versehen werden.

Viele Kilometer Luftlinie entfernt sorgten sich derweil Knut-Fans darum, dass der Eisbär den Zoo schon Ende Mai verlassen müsse – Bärenkurator Heiner Klös bestätigte, dass das Tier zumindest bis zum Ende der Bonner Artenschutzkonferenz bleibe: Er sei Maskottchen der Tagung. Über alles andere hat der Knut-Eigentümer, der Zoo Neumünster, noch nicht entschieden. Annette Kögel

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