Berlin : Tierpark: Zoo-Besuch kann tierisch teuer werden

Christian van Lessen

Das wütende Fauchen von Raubtieren, das schrille Kreischen von Affen: Wer den Zoo anruft und in der Warteschleife landet, hört die Schreie des Urwalds und die freundliche Aufforderung, doch wieder einmal Gehege und Käfige zu besichtigen. Die Bereitschaft dazu aber könnte drastisch sinken. Rund vier Millionen Berliner und Touristen besuchen jährlich Zoo und Tierpark, und gut ein Viertel von ihnen sind Kinder, deren Eintrittspreise als Reaktion auf Kürzungen der Landeszuschüsse ab 2001 zum Teil verdoppelt und mehr als verdreifacht werden sollen.

Die Erhöhungen ließen sich vermeiden, wenn die Zuschüsse statt um der angekündigten 1,25 Millionen nur um 500 000 Mark gekürzt werden sollten. Kürzungen von insgesamt einer halben Million Mark für beide Zoos hielten sich noch in einer "machbaren, verantwortungsvollen Relation", sagte Hans-Peter Czupalla, der Vorstand im Zoo und Geschäftsführer und kaufmännischer Direktor im Tierpark ist. Man wolle die Preise nicht erhöhen, sehe sich aber nach derzeitigem Stand vor allem wegen der Tarifabschlüsse im öffentlichen Dienst vor keiner anderen Wahl. Sie belasteten Zoo und Tierpark mit jeweils 500 000 Mark. Noch aber sei keine Entscheidung für die Erhöhung der Kindereintrittspreise gefallen, der Aufsichtsrat berate im Oktober darüber. "Es soll nicht so kommen", hoffte Czupalla: "Wenn wir jemanden im Zoo haben wollen, sind das vor allem die Kinder." Außerdem habe man die kulturpolitische Aufgabe, Kinder zum Umweltbewusstsein und Naturschutz zu erziehen, hieß es. Von der drastischen Preiserhöhung aber wären gerade Schulklassen und Kindertagesstätten betroffen, die bis vor fünf Jahren noch freien Eintritt hatten, als Reaktion auf Kürzungen aus dem Landeshaushalt von zehn Millionen Mark seit 1996 inzwischen aber zahlen müssen: Pro Schulkind derzeit drei Mark, für ein Kita-Kind sind zwei Mark fällig. Alle diese Kinder dürften bald nur noch für sieben Mark in den Zoo , für den normalen Kindertarif, was auch in der Zoo-Verwaltung als "nicht zumutbar" gilt. Erwachsene zahlen 14 Mark, auch hier sind Erhöhungen nicht ausgeschlossen.

Beide Zoos - der West-Zoo kaufte nach der Wende den Tierpark vom Land Berlin - haben jährliche Ausgaben von je rund 26 Millionen Mark, beide jeweils Personalkosten in Höhe von etwa 17 Millionen Mark. Der Zoo hat dabei fast die dreifachen Besucherzahlen.

Hoffnungen setzen Zoo- und Tierpark-Verwaltung darauf, dass die Berliner nicht ihre Spendierhosen ausziehen und beide Einrichtungen auch in ihren Nachlässen bedenken. Die Lotto-Stiftung gebe zwar gern Geld - 1999 waren es 6 Millionen Mark - doch seien die Beträge nur für bauliche Veränderungen bestimmt. Das Teuerste aber seien die Personalkosten. Hans-Peter Czupalla erinnerte daran, dass nach einer Vertragsklausel beim Verkauf des Tierparks vereinbart worden sei, Betriebverluste durch die öffentliche Hand auszugleichen. Andernfalls, hieß es, könnte der Tierpark wieder an das Land Berlin zurückgehen.

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