Berlin : Tierschmuggel: Auf Metallschwingen zurück in die Heimat

Rainer W. During

Die Zöllner am Flughafen Tegel machten einen erschreckenden Fund. In einem herrenlosen Koffer entdeckten sie acht gefesselte, in Stoffsäcke eingenähte Falken aus der Mongolei. Fast drei Monate später nahm am Sonntag für vier der artgeschützten Vögel die Odyssee ein glückliches Ende. Die Tiere wurden zur späteren Auswilderung in die Mongolei zurückgeflogen. Im Frachtraum eines Airbusses waren bequeme Doppel-Transportkäfige reserviert.

Nach der Landung des wöchentlichen Linienfluges aus Ulan Bator war am 24. Dezember in Tegel ein Hartschalenkoffer auf dem Förderband stehen geblieben. Wären daraus nicht laute Kratzgeräusche zu hören gewesen, hätte ihn wohl niemand so schnell geöffnet. Zöllnern und Grenzveterinär sträubten sich die Haare. In dem mit Hartfaserplatten unterteilten Gepäckstück befanden sich die fast bewegungsunfähigen Saker-Falken. Einer der Vögel war bereits tot, ein zweiter verendete kurze Zeit später. Dass es einigen von ihnen gelungen war, die Säcke seitlich aufzuschlitzen, wurde für die restlichen Tiere zur Rettung.

Wie sich herausstellte, waren die Falken in ihrer mongolischen Heimat von Wilderern gefangen worden. Ein Schmuggler wollte sie im Koffer über Moskau nach Dubai transportieren. Doch bei der Zwischenlandung in Russland wurde das Gepäckstück versehentlich nicht auf den Anschlussflug umgeladen, sondern blieb an Bord der weiter nach Berlin fliegenden Maschine. Obwohl nur in Gefangenschaft gezüchtete Tiere als Jagdvögel verkauft werden dürfen, sind in manchen arabischen Ländern illegal beschaffte Wildfalken wegen ihres natürlichen Jagdinstinktes begehrt, so der Spandauer Amtstierarzt Heinz Jürgen Henning. Der Experte schätzt den Schwarzmarktwert pro Tier auf 3000 bis 5000 Dollar. Dank internationaler Zusammenarbeit - auch die Mongolei und Dubai gehören zu den über 150 Unterzeichnerstaaten des Artenschutzabkommens - ist es den Behörden in Ulan Bator gelungen, den dortigen Organisator des Schmuggels dingfest zu machen, berichtete Christian Böhm vom Zoll. Während zwei der Falken nur noch beschränkt flugfähig sind, konnten sich die übrigen Tiere in der Greifvogel-Auffangstation, die Heinz Jürgen Henning betreut, erholen. Das Berliner Luftfrachtunternehmen C.S.B. und die Fluggesellschaft MIAT organisierten unentgeltlich den Rücktransport über mehr als 7000 Kilometer. Gestern nachmittag gingen die Falken nun wieder in die Luft, wenn auch noch mit fremden Flügeln. Die mongolische Umweltbehörde wird die Vögel nach einer Eingewöhnungsphase wieder auswildern. Zoll und Artenschützer kommen immer wieder der illegalen Einfuhr lebender Tiere auf die Spur. Schildkröten, Leguane und südamerikanische Pfeilgiftfrösche führen zur Zeit die Liste an, so Franz Böhmer vom Bundesamt für Naturschutz. In gravierenden Fällen drohen den Tätern bis zu fünf Jahre Gefängnis.

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