• Tierschützer und Grüne fordern Hundeführerschein Schäferhunde und Rottweiler sind laut Statistik am bissigsten

Berlin : Tierschützer und Grüne fordern Hundeführerschein Schäferhunde und Rottweiler sind laut Statistik am bissigsten

Sigrid Kneist

Schäferhunde und Rottweiler sind seit Jahren die Hunderassen, die nach der Berliner Beißstatistik am häufigsten durch Attacken auffallen. Sie werden nur übertroffen von den zahlenmäßig weitaus häufiger vertretenen Mischlingshunden, die keiner Rasse direkt zuzuordnen sind. Auch Dobermänner beißen in Berlin vergleichsweise häufig zu. Aber als gefährliche Hunde, wie sie künftig im Berliner Hundegesetz festgeschrieben werden sollen, gelten diese Hunde nicht, dort werden lediglich zehn Kampfhunderassen aufgeführt. Aus Sicht von Claudia Hämmerling, Tierexpertin von Bündnis 90/Grüne, bietet das neue Gesetz deswegen keine ausreichende Grundlage, um Bissvorfälle künftig vermeiden zu können. „Die Rasseliste bringt nichts“, sagt Hämmerling. Das Bundesverfassungsgericht hatte am Dienstag diese Rasseliste für rechtens erklärt.

Jeder große Hund sei potenziell gefährlich, wenn er nicht richtig gehalten und erzogen ist, sagte Hämmerling. Wer jetzt keinen Kampfhund mehr halten dürfe, der weiche eben auf eine andere Rasse aus, beispielsweise auf den kräftigen Rottweiler oder einen Dobermann. Aus diesem Grund plädiert die Grünen-Politikerin für einen Hundeführerschein, den Halter großer Tiere ablegen sollen. Die Besitzer müssten dann verpflichtend nachweisen, dass sie sachkundig und in der Lage sind, einen Hund angemessen zu halten. Zudem sollten große Hunde in öffentlichen Verkehrsmitteln und an Orten mit Menschenansammlung generell einen Maulkorb tagen müssen. Als große Hunde gelten nach Hämmerlings Auffassung Tiere ab einer Größe von 40 Zentimetern oder einem Gewicht von 17 Kilogramm. Dann müsste auch der Halter eines Cockerspaniels oder eines Setters eine Prüfung ablegen.

Auch Carola Ruff, Sprecherin des Berliner Tierschutzvereins, verspricht sich mehr von einer Sachkenntnisprüfung für Hundehalter als von einer Rasseliste der gefährlichen Hunde. „Dann wären alle Hundehalter gefordert“, sagte Ruff. Viele Menschen, die ein Tier hielten, wüssten einfach zu wenig Bescheid über Wesen und Erziehung der Tiere. „Sachkunde hat noch niemandem geschadet“, sagt Ruff. Auch Besitzer kleiner Hunde könnten davon profitieren und beispielsweise lernen, wie sie mit ihren Tieren Konflikte mit größeren Hunden vermeiden. Der Tierschutzverein plädiert darüber hinaus für ein Heimtier- und Zuchtgesetz,

Ein Sachkundenachweis wird nach dem Gesetzentwurf der SPD/PDS-Koalition nur für Halter bestimmter gefährlicher Hunde vorgeschrieben. Dazu zählen unter anderem die Kampfhunderassen Pit-Bull, American Staffordshire Terrier und Bullterrier. Einen allgemeinen Hundeführerschein für Halter großer Tiere hingegen lehnt die Koalition ab. Das neue Gesetz, über das die Parteien seit Jahren streiten, soll im kommenden Herbst vom Abgeordnetenhaus verabschiedet werden.

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