Tierschutz : Politiker fordern Ethikrat für den Zoo

Politiker haben erhebliche Zweifel daran, dass im Zoo alles richtig läuft. Gesunde Löwen und Tiger sollen getötet worden sein. Direktor Blaszkiewitz weist diesen Vorwurf zurück.

Sabine Beikler,Annette Kögel

Berliner Abgeordnete haben die Einrichtung einer Ethikkommission für Zoo und Tierpark gefordert. „Wir erwarten vollständige Transparenz aller Unterlagen. Es gibt erhebliche Zweifel daran, dass im Zoo alles richtig läuft“, sagen Tierschutzpolitiker Michael Schäfer (Grüne) und Mirco Dragowski (FDP). „Berlin muss wie andere Zoos eine Ethikkommission einrichten“, sagt Jörg Luy, Professor für Tierethik an der Freien Universität. Hintergrund sind weitere Fälle von Tiertötungen im Zoo. So wurden mehrfach Tiger und Löwen eingeschläfert.

Zwar würden die internationalen Standards eingehalten, doch „müssen wir den Vorwürfen nachgehen“, sagt auch SPD-Politiker Daniel Buchholz. Für ihn ist die Einrichtung einer Ethikkommission „eine Überlegung“.“ CDU-Politiker Gregor Hoffmann sieht auch die Senatsumweltverwaltung in der Pflicht. Deren Sprecherin Marie-Luise Dittmar sagte, man habe einen Tierschutzbeauftragten und brauche keine Ethikkommission.

Zoodirektor Bernhard Blaszkiewitz soll Anweisung gegeben haben, gesunde Löwen und Löwenbabys „abzuspritzen“, wie eine Tierpflegerin im RBB-Fernsehen sagte. Zoo-Sprecher Detlef Untermann weist die jüngsten Vorwürfe zurück. Zwar seien 1995 fünf indische Löwen und drei Sumatra-Tiger eingeschläfert worden, doch „damals grassierte Katzen-Aids. Bei den obduzierten Tieren gab es überwiegend positive Befunde“. 2003 seien zwei Löwenbabys eingeschläfert worden, weil sie stark untergewichtig waren. Die Entscheidung, wann ein Tier getötet werde, treffen die Tierärzte – je zwei in Zoo und Tiergarten – und die Kuratoren in Absprache mit der Zooleitung. Eine Ethikkommission sei in Berlin nicht nötig, da im Gegensatz zu anderen Zoos keine „Wildtiere“ geschlachtet werden, um sie zu verfüttern. Im Übrigen könnten die Tierschutzpolitiker „Einsicht nehmen in die Bestandsbücher“. Anhand der öffentlichen Jahresberichte dagegen ist eine genaue Aufschlüsselung der Ein- und Abgänge unmöglich. Im Jahresbericht 2006 für den Tierpark etwa findet man im Fließtext vereinzelt Details – doch im Anhang ist unter dem Stichwort „Tiertransporte“ nur nachzulesen, dass es 46 Mal „Tiereingänge“ und 166 Tierausgänge gab: „204 Mal wurde der Straßenweg gewählt, und nur acht Mal reisten Tiere per Flugzeug“.

Zur Frage der Ethikkommisionen in Zoos betonte Helmut Mägdefrau vom Tiergarten in Nürnberg, diese auch mit externen Fachleuten besetzten Gremien befassten sich nicht vornehmlich mit Verfütterungsfragen, sondern mit diffizilen Fällen der Behandlung oder Tötung von Tieren. Tiergartenchef Dag Encke gehört zu den wenigen Zoochefs in Deutschland, die über dieses Thema öffentlich reden: „Bei der Frage nach der Tötung von Zootieren sind wie beim Verzehr von Wurst Sentimentalitäten nicht gefragt.“ Anders als in freier Wildbahn überlebten mehr Tiere, in Einzelfällen könne es Probleme bei der Unterbringung geben - eine Tötung sei mitunter letztes Mittel.

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