Tiertransporte von Zoo und Tierpark : Aufsichtsrat muss die Verschieberei aufklären

Erst die Wellensittiche, jetzt die Wasservögel: Wo ist eigentlich das ominöse "Winterquartier" in Osteuropa, in das die Tiere verfrachtet werden? Unser Kolumnist Bernd Matthies rätselt über die seltsamen Vorgänge in Zoo und Tierpark.

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Alles fing mit ihnen an: kritische Mitarbeiter des Zoos hatten bereichtet, dass 24 Wellensittiche getötet und verfüttert werden sollten.
Alles fing mit ihnen an: kritische Mitarbeiter des Zoos hatten bereichtet, dass 24 Wellensittiche getötet und verfüttert werden...Foto: dpa

Die Zeit der Dinosaurier ist vorbei – auch im Zoo. Nur hat leider der Dinosaurier, der Berlin Zoo und Tierpark leitet, davon noch nichts gehört. Offenbar, mehr lässt sich angesichts des offiziellen Schweigens wohl nicht sagen, offenbar hat Bernhard Blaszkiewitz seine bevorstehende Ablösung nicht zum Anlass genommen, seinen Führungsstil mehr in Richtung kooperativ zu drehen. Es tut sich allerhand Befremdliches in Zoo und Tierpark.

Sind aber nun wirklich 300 kostbare Wasservögel aus dem Zoo abtransportiert worden? Hat man versucht, eine trächtige Antilope nach Bulgarien zu schaffen? Was hat es mit dem ominösen „Winterquartier“ auf sich, das sich womöglich ebenfalls irgendwo in Osteuropa befindet, und stimmt es, dass Tiere vom Zoo erst nach Friedrichsfelde und dann von dort mit fernem Ziel wegbefördert werden, weil das mit den Amtstierärzten in Lichtenberg leichter umzusetzen ist als in Mitte? 

Die Nachrichtenlage lässt ein endgültiges Urteil nicht zu. Blaszkiewitz hat nur noch erbitterte Freunde und nicht weniger erbitterte Feinde, es scheint niemand mehr greifbar zu sein, dem man ein unparteiisches Urteil zutrauen würde. Dennoch ist es kein Wunder, wenn angesichts dieser kaltschnäuzigen Tierverschieberei der Eindruck auftaucht, hier versuche jemand, seinem Nachfolger den Einstieg zu versauen. Blaszkiewitz würde das vermutlich, wenn er denn zur Sache überhaupt Stellung nähme, empört zurückweisen; daran, dass man es ihm zutraut, ist er aber zweifellos selber schuld. Und wenn er auch Feinde hat: Warum sollten die jetzt noch immer intrigieren, wo sein Abschied doch beschlossene und unumkehrbare Sache ist?

Es führt wohl kein Weg daran vorbei, dass sich der Aufsichtsrat die Sache genauer anschaut. Und falls das Resultat darauf hinausläuft, dass die Vertrauensbasis wackelt, dann dürfte es eigentlich kein Problem sein, Blaszkiewitz für die Restlaufzeit seines Vertrages in den wohlverdienten Urlaub zu schicken. Fähige Zoologen für eine Übergangszeit hat der Zoo genug – Fachleute, die Tiere nicht wie Europaletten durch die Gegend schieben und in der Lage sind, öffentlich Auskunft über ihre Arbeit zu geben.

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