Tierverkäufe : Zicken im Zoo

Im Streit um Tierverkäufe und Züchtungen im Zoo und Tierpark Berlin springt die Fördergemeinschaft Direktor Blaszkiewitz zur Seite. Ein Tierschutzbeauftragter unterstützt jedoch die Anzeige der Grünen-Politikerin Hämmerling.

Annette Kögel

In der Diskussion um Züchtungen und Tierverkäufe von Zoo und Tierpark hat sich die Fördergemeinschaft beider Einrichtungen zu Wort gemeldet. „Die Vorwürfe der Grünen-Politikerin Claudia Hämmerling sind stillos und boshaft“, sagte Vereinsvorsitzender Thomas Ziolko. Wie berichtet, hat die Tierschutzexpertin der Bündnisgrünen im Abgeordnetenhaus Anzeige bei der Staatsanwaltschaft gegen Zoo-Chef Bernhard Blaszkiewitz gestellt. In seinen Einrichtungen würde gegen das Tierschutzgesetz sowie das Grundgesetz verstoßen – weil Nachwuchs an einen Händler weitergegeben werde, der Geschäfte auch mit Tierschlachtern, mit Versuchslaboren und Tierfarmen betreiben soll. Berlins Tierschutzbeauftragter Klaus Lüdcke unterstützt die Anzeige und fordert, die Zusammenarbeit von Zoos mit Tierhändlern einzuschränken, diese belieferten auch Zirkusse. Zudem sollten Zoo-Tiere künftig mit einem Chip versehen werden.

„Im Zoo kommt es einfach zu einem stärkeren Anwachsen des Tierbestandes als in freier Natur, wegen der guten Tierhaltung und der tiermedizinischen Versorgung“, so Ziolko. Wenn Hämmerling eine Geburtenkontrolle fordere, sei dies „mit massiven Eingriffen verbunden. Zootieren darf Aufzucht nicht verwehrt werden.“ Schon lange war die Fördergemeinschaft von Tierpark und Zoo Berlin e.V. nicht mehr so gut besetzt: Die Zahl der Mitglieder wuchs seit Februar 2007 – im März wurde Eisbär Knut das erste Mal präsentiert – um zwei Drittel auf rund 1000.

Hämmerling hatte kritisiert, dass Tiger über Händler an eine Farm in China weitergeben wurden, die Tigerpenisse pulverisiere und als Potenzmittel verkaufe. Verhaltenskodexe der „WAZA – Wold Association of Zoos und Aquariums“ sähen vor, „Tiere nur an wissenschaftlich geleitete Zoos abzugeben“. Doch Blaszkiewitz verkaufe an Werner Bode, der auch Tierschlachter beliefere, sowie Paviane – nicht aus Berlin – zu Versuchszwecken nach München verkauft haben soll. Unfälle wie jener mit einem Giraffenjungbullen, der sich bei einer Blutuntersuchung für einen Verkauf das Genick brach, „können aber passieren“.

Zoo- Vorstand Blaszkiewitz bestätigte den Unfall, wies aber Vorwürfe der Abgeordneten, „der nun alle fünf Minuten was Neues einfällt“, erneut als völlig haltlos zurück. „Ich kenne Herrn Bode seit fast 30 Jahren und arbeite vertrauensvoll mit ihm zusammen.“ Die Sprecherin der Finanzverwaltung, Kristina Tschenett, sagte, „uns ist nicht bekannt, dass gegen geltende Gesetze verstoßen wird“. Das Land, das über einen Sitz im Zoo-Aufsichtsrat verfügt, „mischt sich nicht ins operative Geschäft ein“.

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