Tipps für den Sommer in Berlin : Hier gibt's das beste Eis der Stadt

Honig-Safran oder einfach mal Schokolade? In allen Ecken der Stadt gibt es Kunst in der Waffel zu entdecken – mit und ohne Bindestrich. Unsere Eis-Tipps für die letzten Sommertage.

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Die Welt ist eine Kugel. Eine Eisreise queer durch Berlin. Foto: picture alliance / dpa
Die Welt ist eine Kugel. Eine Eisreise queer durch Berlin.Foto: picture alliance / dpa

ROSÉ-SEKT-SORBET IN DER STARGARDER

Eigentlich ist es gar keine Eisdiele, obwohl hier Eis in Bechern und Waffeln verkauft wird und sich immer lange Schlangen vor dem Tresen bilden. Was „Hokey Pokey“-Betreiber Niko Robert dort aber als – auf den ersten Blick ziemlich teures – Eis verkauft, ist eigentlich ein Dessert: Das beginnt bei den Zutaten. Zum Beispiel beim Pistazieneis, das wird nicht aus der sonst üblichen Pistazienpaste, sondern aus echten Pistazien gemacht. Sizilianische Pistazien aus Pronte, die besten, aber das muss man selbst schmecken. Dann ist da die besondere Konsistenz, die ist sehr kompakt und nicht luftig, dadurch aber auch geschmacksintensiver und cremiger. Das Tollste aber sind die Ideen, was Eis auch sein kann: multihaptisch wie das aus weißer Schokolade mit gesalzenen Pistazien und Karamell-Toffee-Sauce. Oder erwachsen, wie das Café Noir aus Edelschokolade, Espresso und Sherry. Oder schlicht genial wie Rosé-Sekt-Sorbet mit Holunderblüte, Orangenabrieb und Tahiti-Vanille. An heißen Tagen aber geht nichts über das Grapefruitsorbet. Kai Röger

„Hokey Pokey“, Stargarder Straße 73, Prenzlauer Berg, täglich 12 bis 22 Uhr, www.hokey-pokey.de

BUTTERKEKS IN KLADOW

Kennt man im Süden von Spandau, Sommer für Sommer: Da schippert der träge BVG-Dampfer in den Hafen von Kladow, spuckt die verzückte Ausflugsmeute aus („Ist das hier echt noch Berlin?“) und dann … ja, und dann? Am hübschen Hafen gruppieren sich eine Pizzeria, ein stets voller Biergarten, dahinter ein Chinese. Aber wo haben die Menschen ihr Eis her? Einfach den schmalen Fußweg hoch zum „Dorfplatz“, wie sie in Kladow (15 000 Einwohner) ihr Zentrum nennen. Auf halber Strecke links liegt der Laden „Eiskrem hausgemacht“ – ein Familienbetrieb seit 2009, mit Eisküche hintendran. 16 Sorten werden angeboten, das Eis ist frisch, gern sahnig, mitunter schön speziell. Persönlicher Tipp: Butterkeks-Eis, dazu einen Eiskaffee. Wer mag, geht damit wieder runter zum Hafen – Bötchen gucken. Wer erst mal in der City testen will: Einige Kladower Eissorten werden auch im „Café Tiergarten“ an der Siegessäule angeboten. André Görke

„Eiskrem Hausgemacht“, Sakrower Kirchweg 1–3, Kladow, tgl. 11 bis 20 Uhr.

BLACK SESAM IN SCHÖNEBERG

Dass die „Gelateria La Dolce Vita“ ein bisschen im Schatten des allzu gehypten „Vanille & Marille“ liegt – vor dem sich nicht nur in der Hagelbergerstraße in Kreuzberg lange Schlangen bilden, sondern inzwischen auch in der Friedrich-Wilhelm- Straße in Tempelhof und in der Belziger Straße im Akazienkiez –, ist vielleicht gar nicht so schlecht. Noch ist der angenehm unschicke Laden mit der Anmutung einer ganz normalen Eisdiele eher ein Geheimtipp. Einer, bei dem es richtig gutes Eis gibt, und zwar nicht nur die Klassiker, sondern auch was für Experimentierfreunde: Honig-Safran zum Beispiel, Chili-Schokolade oder, mein Favorit: Black Sesam. Natürlich steht der Chef hier noch täglich hinter der Eistheke: Salvatore macht nicht nur das Eis selbst, sondern auch leckere Cantuccini, die man in kleinen Tütchen zum Mitnehmen bekommt. Und: Wenn die anderen schon zumachen, um sich vom Kita-Abhol-Ansturm zu erholen, wird in der Gelateria La Dolce Vita noch immer serviert. Bettina Seuffert

„Gelateria La Dolce Vita“, Belziger Straße 60, Schöneberg, 10 bis 22 Uhr

TRADITION IN GRÜNAU

Das Eis bei „Anett“ ist soft oder kugelförmig zu bekommen und in jedem Fall hausgemacht. Tradition zählt mehr als Extravaganz in dem alteingesessenen Café im hipsterfreien Grünau. Direkt vor der Tür sitzt man unter Kastanien, was passabel ist. Noch viel besser aber ist, sein Eis einfach mitzunehmen und über die Regattastraße zu tragen in den Park mit den gigantischen Blutbuchen auf der Wiese und dem altersschwachen Schiffsanlegesteg, der weit hinaus auf die Dahme ragt – mit Blick auf die Regattastrecke, die Fähre und die Wasservögel, die auf ein paar Krümel von der Waffel hoffen. Und wenn man einmal hier ist, radelt man am besten gleich noch parallel zum Wasser in den Wald. Stefan Jacobs

„Eiscafé Anett“, Büxensteinallee 2, Grünau, tgl. 12 bis 18 Uhr

GORGONZOLA IN MITTE

Der Raum im S-Bahn-Bogen ist nicht sehr groß, und oft muss man sich hinter einer Reihe von Kindern anstellen, die ziemlich angestrengt überlegen, welche Kugeln es denn sein dürfen. Zwischen Limette- Minze und Erdbeer-Basilikum muss man sich schließlich erst mal entscheiden können. Der Duft nach frisch gebackenen Waffeln macht leicht Appetit auf das dunkle, cremige Schokoladeneis. Hier wird das coole Naschwerk handwerklich fabriziert und schmeckt entsprechend. Sehr begehrt unter den Sitzmöbeln ist der Strandkorb. Vielleicht als Hommage auf die ganz in der Nähe gelegene älteste Baumkuchenkonditorei der Stadt gibt es manchmal sogar Eis in dieser Geschmacksrichtung. Und für die ganz Geschmacksmutigen gehören auch Lakritze und Gorgonzola zum Repertoire von insgesamt 90 Sorten, die es freilich nicht immer alle auf einmal gibt. Elisabeth Binder
„Eisteufelchen“, Flensburger Straße, S-Bahnbogen 414, Mitte, tgl. 12 bis 20 Uhr, www.eisteufelchen.de

MOCCABIT IN MOABIT

Es ist „Einer dieser Tage“ – in dem kleinen Moabiter Eiscafé ist das im Sommer wörtlich zu nehmen. Es ist einer dieser Tage, an denen man sich entscheiden muss, ob man klassisch Erdbeereis in der Waffel möchte oder wagemutiger ist. Ausgefallene Sorten wie Bergamottensorbet oder Schokolade-Ingwer stehen ebenso auf der Angebotstafel wie der namentlich von Kiezkolorit inspirierte Eiskaffee: In der Waldstraße trinkt man nämlich „Moccabit“, für den Hipsterfaktor auch vegan. Wen es aus dem süß eingerichteten Café in die Sonne zieht, der findet nebenan ein grünes Idyll. Die Emdener Straße wurde 2013 nicht ohne Grund als schönste Straße ausgezeichnet. Moabit kann halt – wenn es will. Katharina Langbehn

„Einer dieser Tage“, Waldstr. 32, Moabit,

Mo–Do 11–20 Uhr, Fr–Sa 11–21 Uhr, So 11–19.30 Uhr, www.einer-dieser-tage.de

BACISSIMO AM POTSDAMER PLATZ

Man könnte den Satz des Philosophen Adorno „Es gibt kein richtiges Leben im falschen“ in eine Frage umdeuten: „Kann es etwas Schönes geben im Hässlichen?“ Antwort: ja. In der architektonischen Langeweile des Potsdamer Platzes gibt es im ersten Stock eine Eisdiele, die sogar eine weite Anreise lohnt. Italien, wie man es in Italien selten findet. Ein Breitbandsortenprogramm in unterschiedlichen Qualitätsstufen. Pistazie – eine Geschmacksbombe. Joghurt mit Walnuss und Feige – frische Cremigkeit. Bacissimo – ein Schmelz aus Nougat. Und niemals, wie anderswo so oft, ist die Süße dominant. Die Qualität der Zutaten: erste Güte. Adorno wäre begeistert. Norbert Thomma

„Caffè e Gelato“, Potsdamer Platz Arkaden, 1. Stock, Alte Potsdamer Str. 7, Mitte, Mo–Fr 10–23 Uhr, Sa bis 24 Uhr, So 10.30–22 Uhr, www.caffe-e-gelato.de

SAFRAN AM BOTANISCHEN GARTEN

Ein Spaziergang durch den Botanischen Garten lässt sich wunderbar ergänzen durch einen Abstecher bei „Lauter Eis“. Betreiberin Katharina Laute bringt es auf bis zu 80 Sorten, darunter Standards wie Schokolade und Pistazie oder exklusivere Optionen wie Mango und Safran. Auch Experimente wie das Erbseneis gelingen erstaunlich gut. Im Lichterfelder Café sitzt man inmitten von lauter Kiezbewohnern. So gemütlich ist es beim Straßenverkauf in der Warthestraße 4 in Neukölln zwar nicht, aber dort gibt es mehr vegane Sorten. Thilo Rückeis

„Lauter Eis“, Hortensienstraße 12b, Lichterfelde, tgl. 12 bis min. 20 Uhr, www.lauter-eis.com

WALNUSS-SALBEI IN FRIEDRICHSHAIN

Es wird viel geschimpft auf die Bindestrich-Eissorten der Gegenwart. Gourmets rufen deshalb eine puristische Eiszeit aus: Zurück zu Schoko und Vanille! Zum Glück lassen sich Piraten nichts vorschreiben. Die „Eispiraten“ am Boxhagener Platz öffnen irgendwann mittags, schließen erst, wenn keiner mehr Eis will. In heißen Sommernächten steht man hier auch nach Mitternacht noch Schlange zwischen Schatztruhen und sprechenden Stoffpapageien. Die Piraten spachteln ihr Eis in Becher, und sie haben – Trendregeln zum Glück egal – ihren Kurs auf Mischungen ausgerichtet: Walnuss-Salbei, Honig-Sesam, Gries-Pflaume-Zimt. Unübertroffen: Himbeer-Maracuja-Kardamom. Viel Säure, knackige Maracujakerne und eine Prise Kardamom, für den Hauch Weihnachten im Hochsommer. Julia Prosinger

„Eispiraten“, Grünbergerstraße 85, Friedrichshain, geöffnet tgl. nach Bedarf, www.eispiraten-berlin.de

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