Berlin : Tisch und Theke: "Kaisermühle" in Müllrose

Claus-Dieter Steyer

Dieser "Platz der Freiheit" liegt mitten im Wald. Er ist deshalb nicht ganz leicht zu finden. Doch wer am östlichen Ortsausgang des Städtchens Müllrose mit dem Auto oder dem Fahrrad die in der Wegbeschreibung genannte "Kreuzung mit alter Eiche" erreicht hat, kann den Platz und damit das Hotel "Kaisermühle" nicht mehr verfehlen. Die Erklärung für den zumindest in dieser Umgebung ungewöhnlichen Platznamen liefert Geschäftsführer Peter Mikeska mit einem Augenzwinkern. Gleich nach der Wende habe er sich das Schild gesichert, als in Müllrose der "Platz der Einheit" blitzschnell in "Markt" umbenannt worden war. Seitdem schmückt es diesen idyllischen Flecken im schönen Schlaubetal.

Damals arbeitete hier nur eine Töpferei. Das Hotel mit einem gemütlichen Restaurant öffnete an dieser Stelle erst vor drei Jahren. Heute mag der Chef nicht so recht entscheiden, welcher Geschäftsteil mehr Gewinn abwirft. Vielleicht, so überlegt er kurz, würde der eine Betrieb ohne den anderen gar nicht existieren können. Denn viele Hotel- und Restaurantgäste würden in seiner Töpferei vorbeischauen und Vasen, Töpfe, Teller oder Tassen mit der seltenen Salzglasur kaufen. Andererseits entdeckten nicht wenige Töpferei-Interessierte bei ihrem Ausflug zur Kaisermühle das im historischen Fachwerkstil gebaute Hotel.

Das Wort Entdeckung passt hier sogar. Denn im Unterschied zu den meisten anderen Häusern in Brandenburg gleicht hier kein Hotelzimmer dem anderen. Schon die Namen verraten etwas von dem Aussehen. Da gibt es die Gesindestube, die Kornkammer, das Zimmer "Wald- und Wiesenblick", die Gute Stube, die Gemüsekiste, die Kaisersuite oder das Prinzesszimmer. Da lohnt sich vor der Entscheidung für eines der 14 Gemächer schon eine ausgiebige Besichtigungstour durch die zwei Etagen.

Etwas aus dem Rahmen fällt auch die Speisekarte. Denn sie besteht nur aus zwei Seiten mit einem Dutzend Gerichten, die beiden Vorspeisen schon inbegriffen. Das muss jedoch für die Gäste kein Nachteil sein, wie ein Test ergab. Denn in der Kaisermühle sind alle Speisen garantiert frisch, was bei anderen Restaurants gleicher Größe mit 80 und mehr Gerichten auf der Karte kaum möglich erscheint. Viele Zutaten kommen gleich aus dem eigenen Garten oder aus anderen Gegenden des Schlaubetals. Dazu gehören selbstgemachte Holundersauce, Kapuzinerkresse, gerösteter Buchweizen oder gebutterte Herbstfrüchte. Die Flusskrebse stammen direkt aus der in dieser Gegend noch ziemlich klaren Spree.

Zu den empfehlenswerten Gerichten zählen gebratene Kalbsröllchen mit Gorgonzolasauce, gepfefferten Birnen und Tagliatelle (22,50 Mark) und das gebratene Zanderfilet mit Mandelkartoffeln (25,50 Mark). Passend zur Jahreszeit steht der gebeizte Hirschbraten mit Quitten-Pflaumenmus, glacierten Teltower Rübchen und Mohnspätzle (27 Mark). Mit Sicherheit stammen einige Tiere direkt aus dem Wald rund um den "Platz der Freiheit".

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