Berlin : Titel, Thesen, Temperamente

Der Volleyball-Meister SC Charlottenburg will seine erfolgreiche Mannschaft zusammenhalten

Karsten Doneck

Berlin. Deutscher Meister zu werden hat seine Tücken. Der Titel findet nicht immer die richtige Würdigung. Da hatten die Volleyballer des SC Charlottenburg im vorigen Jahr Wuppertal fast mühelos bezwungen. Doch danach tauchten sofort die Neider auf, die den SCC nur als Meister zweiter Klasse betrachteten. Wer als Volleyball-Meister anerkannt werden will, müsse den VfB Friedrichshafen schlagen, so hieß es. Insofern hat sich der SC Charlottenburg am Samstag Genugtuung verschafft, als er mit einem 3:1-Sieg im vierten Finalspielen gegen Friedrichshafen die Meisterschaft erneut nach Berlin holte.

„Unser Titelgewinn im Vorjahr hatte ja diesen Beigeschmack“, sagt Marco Liefke. „Es hieß, die Meisterschaft sei uns in den Schoß gefallen, diese These kann jetzt wohl niemand aufstellen.“ Schwer erarbeitet haben sich die Charlottenburger den Erfolg. Und deshalb feierten die Spieler bis in den Morgen hinein in der Diskothek Far out. Nur Trainer Mirko Culic verabschiedete sich früh, fuhr mit der Ehefrau in Urlaub. Seinen Spielern hinterließ Culic noch den Hinweis, wer nun für sie zuständig sei. „Die Vertragsverhandlungen regelt unser Manager“, sagte er. Manager Kaweh Niroomand reagierte leicht verstört: „Da hat es sich der Trainer aber sehr einfach gemacht.“ Nur Robert Kromm ist über das Saisonende hinaus an den SCC gebunden. Alle anderen Spielerverträge müssen neu verhandelt werden. Niroomand will den Kader für die nächste Saison in drei Wochen komplett haben. Große Veränderungen sind nicht zu erwarten. „Unsere Mannschaft hat ein Durchschnittsalter von 24 Jahren. In ihr steckt noch genügend Potenzial“, sagt er.

Die Spieler selbst sind nicht unbedingt abwanderungswillig. Sebastian Prüsener sagt: „Es wird Verhandlungen mit dem SCC geben. Ich habe aber auch ein paar Kontakte zu anderen Klubs.“ Liefke sagt: „Es gibt keinen Grund, hier wegzugehen.“ Der 29-Jährige hat sich mit Bundestrainer Stelian Moculescu darauf verständigt, in diesem Sommer auf alle Nationalmannschaftseinsätze zu verzichten. Grund dafür ist Liefkes labile Gesundheit. Mal schmerzt ihn der Rücken, dann das Knie. Trotzdem steuerte er 25 Punkte zum letzten und wichtigsten Saisonsieg seiner Mannschaft gegen den VfB bei.

Bleibt dem SCC nur das Problem, die nächste Saison zu finanzieren. Der Etat soll wieder bei 650 000 Euro liegen, rund 200 000 Euro fehlen dem SCC bei dieser Kalkulation. „Wir führen aussichtsreiche Gespräche“, sagt Niroomand. Vielleicht hilft es ja, kein Meister zweiter Klasse mehr zu sein.

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