Berlin : "To Club": Das Nachtleben als Soap-Opera

Tobias Arbinger

"Dreizehn 18- bis 35-Jährige mit Kreativität, handwerklichem Geschick, Power und Vision für neuen Club in Mitte gesucht; Szenekenntnisse von Vorteil, Kapital wird gestellt". So könnte die Kleinanzeige für den geplanten "To Club" lauten. Dabei geht es nicht etwa um die tausendste Diskothek im Szenekiez, sondern um eine neue Fernsehshow, für die RTL 2 derzeit Mitwirkende sucht. Bei der Real-Life-Show "To Club" sollen die Kandidaten ab 28. Januar innerhalb kürzester Zeit einen Nachtclub eröffnen, der - so RTL-Promoterin Melanie Sommer - möglichst "zum Szenetreffpunkt wird".

Dutzende Kameras von RTL 2 werden die junge Crew nach dem Vorbild von Big Brother rund um die Uhr beobachten. Im Gegensatz zum erfolgreichen "BB" sitzen die Clubmacher nicht abgeschirmt im Container. Jedermann kann in dem Club tanzen gehen, Barmännern zusehen, die gefilmt werden, und sich womöglich am nächsten Abend als Statist der "To-Club"-Show im Fernsehen entdecken. "To Club" sei die verschärfte Form von Big Brother: "Es reicht nicht, eine Wochenaufgabe zu lösen. Man muss jeden Tag kämpfen, dass der Club voll wird."

Die Räume hat RTL 2 schon gemietet - "leer stehende Gewerbeflächen". Wo, will Melanie Sommer nicht verraten. "Irgendwo an der Grenze von Mitte und Friedrichshain". Die Kandidaten werden in einer Wohngemeinschaft über ihrem Club wohnen. Ihre Aufgabe lautet, sich - unter den Augen der Fernsehzuschauer - in Windeseile auf ein Konzept zu einigen, den Club umbauen zu lassen, DJs zu buchen, die richtigen Gäste in den Club zu lotsen und ihn am Laufen zu halten. Sie werden von RTL 2 "ordentlich" mit Geld bestückt, sagt Sommer, müssen damit aber auskommen - von den Einnahmen bestreitet die "To-Club"-WG ihren Unterhalt. Wenn die Gäste ausbleiben, gibt es nur Knäckebrot am Frühstückstisch.

Konflikte seien abzusehen, sagt Sommer. Wer macht im Club den Türsteher? Wer mixt die Cocktails, wer putzt die Toiletten? "Vielleicht sagt ja ein Kandidat, er möchte keinen Technoclub". Sommer hofft, dass beim deutschlandweiten Casting "Typen mit guter Laune" gefunden werden. Wenn "ein süßes Mädchen dabei ist, kann die auch schon einmal tanzen". Zu betrunkene Gäste werden von den Serienhelden - wie im echten Leben - aus der Kneipe geworfen. "To Club"-Show soll am Sonntag, dem 28. Januar, um 22.10 Uhr starten, Zusammenschnitte und Live-Übertragungen des "To-Club"-Lebens sollen fünf Mal wöchentlich ausgestrahlt werden. Der 30-jährige Detlef Soost ("Dee"), aus der RTL 2-Show "Popstars" als Choreograf bekannt, wird die Reality-Soap moderieren. Immer donnerstags soll das Team zudem einen Bewohner aus der WG werfen, die Zuschauer dürfen mitwählen. Darüber, wie das dezimierte Clubpersonal die Arbeit bewältigen wird, zerbreche sich die "To-Club"-Redaktion derzeit noch die Köpfe, sagt Sommer. Eine Hürde hat RTL 2 den Kandidaten immerhin schon abgenommen - sie müssen den Club nicht mehr beim Bezirksamt anmelden. Sommer: "Das würde länger als dreizehn Wochen dauern".

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