Berlin : "To Club": Gute Zeiten, Wartezeiten

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Der RTL II-Club gegenüber dem Ostbahnhof, in dem 13 Kandidaten beweisen sollen, dass man nicht nur mit Inselkoller und Container-Leben Zuschauerquote machen kann, sondern auch mit einer Reality-Show über Jung-Unternehmer, erinnert am Eröffnungswochenende eher an eine Mafia-Festung als an Berlins künftige Party-Zentrale. Mindestens genauso viele Wärter wie Mitspieler stehen draußen im Schnee und lassen nicht jeden hinein. Der eine oder andere muss schon mal seinen Ausweis zeigen, und alle werden gefilzt. Man rechne mit ähnlich vielen Fans wie zur ersten "Big-Brother"-Staffel, lautet die vage Erklärung, aber vorerst hält sich der Ansturm in Grenzen.

Gegen 22 Uhr können die Kameras über dem Tresen nur gähnende Leere filmen. Kandidatin Viviana, im richtigen Leben Fremdsprachensekretärin in Hamburg, steht im Partylook am Eingang und kann jeden Neuankömmling noch mit Handschlag begrüßen. Mitbewerberin Jessica, Friseurin aus Berlin, verbreitet Optimismus: Endlich könne sie ein "richtiges Projekt" in ihrem Leben umsetzen. Ihr Lieblingsclub in Berlin ist das WMF und ihr Traumgast? Jessica überlegt: "George Clooney - der wäre toll."

Zwei Stunden später ist zwar George Clooney immer noch nicht da, aber dafür ist ein anderer telegener Gast eingetroffen: Priscilla, Freundin von Kandidat Ingo, ist aus Düsseldorf angereist. Die erschwerten Besuchsbedingungen - keine Rückzugsmöglichkeit, keine Minute ohne Kamera - machen ihr nichts aus: "Hauptsache ist, wir sehen uns", sagt die angehende Kommunikationswissenschaftlerin tapfer. Es geht gegen Mitternacht und jetzt stehen auch ein paar Jungmänner mit offenem Hemdkragen und Jackett an der Garderobe Schlange. Die meisten haben die ersten Folgen der Show schon im Fernsehen gesehen.

Priscilla zuckt mit den Achseln. Ihr Ingo ist der Macher unter den Kandidaten und als Model der medienerfahrenste. Selbst im größten Tresenstress verschenkt er noch sein Goldjungen-Lächeln in alle Richtungen. Aber im Moment hat er nur noch Augen für Priscilla, die neben ihm auf dem Barhocker sitzt. Beide haben die Hände zusammengelegt, wie zwei Königskinder, die nun doch zueinander gefunden haben. Der Kameramann gibt seinem Kabelträger ein Zeichen und nimmt die beiden ins Visier. Die Objektive über dem Tresen sind schon längst auf die Szene ausgerichtet. Morgen laufen die Bilder im TV. Das wird Pluspunkte geben für Ingo. Da müssen sich Jessica, Viviana und die anderen schnell etwas einfallen lassen.

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