Berlin : Tochter als Dienstmagd missbraucht Bewährungsstrafe für Eltern der Jugendlichen

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Es gab keine Liebe, dafür viele Aufgaben im Haushalt und Angst vor einem ständig drohenden „Ordnungsgong“. Als die Tochter 14 Jahre alt war, wurde sie selbst aggressiv, verletzte den Vater mit einer Schere und lief weg. Den Eltern hielten die Richter gestern vor: „Sie haben Ihre Tochter teilweise als billiges Dienstmädchen missbraucht.“ Verurteilt wurden Sabine und Werner H. für gewalttätige Übergriffe. Das Mädchen sei mit einem Holzschuh geschlagen, von der Mutter gekratzt und vom Vater in der Badewanne untergetaucht worden. Gegen die Eheleute wurden acht Monate Haft auf Bewährung und je 200 Euro Buße verhängt.

Das Geld sollen die Angeklagten aus Pankow an eine Einrichtung zahlen, die sich um Kinder in Not kümmert. „Auch Ihre Tochter war in Not“, sagte der Vorsitzende Richter. Die Eheleute aber sehen das ganz anders. „Wir haben kein schlechtes Gewissen“, hatte die 46jährige Mutter dem Landgericht erklärt. „Unsere Tochter will immer im Mittelpunkt stehen, ist krank und braucht Hilfe“, sagte der 16 Jahre ältere Vater. Der frühere Funker im DDR-Innenministerium hatte im Prozess wie selbstverständlich von seiner Erziehung mit „Ordnungsgong“ oder „Ohrenmassage“ berichtet.

Die Anwältin der Schülerin sagte, dass nur ein kleiner Teil der Vorfälle zur Anklage gekommen sei. Die Staatsanwaltschaft war von neun Übergriffen ausgegangen. Doch nur ein Teil der Vorwürfe sei zweifelsfrei bewiesen worden, befanden die Richter. In der „von Lieblosigkeit geprägten“ Familie habe es sogar einen von der Mutter verfassten Bußgeldkatalog für nicht erfüllte Aufträge gegeben. Das Mädchen lebt in einem Heim und lehnt jeglichen Kontakt mit ihren Eltern ab. Sie behalten derzeit das Kindergeld und zahlen einen Unterhalt. Die Richter befanden: „Das ist fast ein Stück aus dem Tollhaus: Sie kassieren das Kindergeld, der Staat soll sich kümmern.“ K. G.

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