Berlin : Tochterfirma soll alleine fliegen

Klaus Kurpjuweit

Die Berliner Flughafengesellschaft, die privatisiert werden soll, will vorher noch ihr Tochterunternehmen Globe Ground verkaufen. Die Servicegesellschaft bietet mit ihren 1500 Mitarbeitern Boden- und Abfertigungsdienste für die Fluggesellschaften an.

Die Flughafengesellschaft hält 51 Prozent der Anteile, die Lufthansa hat ihren 49-Prozent-Anteil bereits verkauft. Gegen den Verkauf wehrt sich die Gewerkschaft Verdi. Der Servicebereich gehört nach Ansicht des Brandenburger ÖTV-Chefs Werner Ruhnke zum Kerngeschäft. Bliebe Globe Ground bei der Flughafengesellschaft, müsste sich das Unternehmen auch nicht dem künftigen Wettbewerb stellen, sondern wäre "gesetzt". Damit wären auch die Arbeitsplätze gesichert. Ein geplantes Modell zur Mitarbeiterbeteiligung ist noch noch nicht zu Stande gekommen.

Der Verkauf des Tochterunternehmens, über dessen Erlös es noch keine Angaben gibt, könnte für die Flughafengesellschaft am Ende sogar teuer werden. Am Freitag soll der Aufsichtsrat der Flughafen Holding BBF nicht nur den Vertrag des bisherigen Flughafenchefs Götz Herberg um ein Jahr verlängern, sondern mit dem Ex-Politiker Jörg Rommerskirchen (SPD) auch einen neuen Arbeitsdirektor bestellen. Nach einem Verkauf von Globe Ground entfiele aber dieser Posten, weil der Konzern dann weniger als 2000 Beschäftigte hätte. Die finanziellen Leistungen aus dem Vertrag müssten aber trotzdem erfüllt werden.

Mit der Vertragsverlängerung von Herberg haben die Gesellschafter bis zur letzten Minute gewartet. Herberg müsste nach einer Privatisierung seinen Sessel räumen. Das Zuschlagsverfahren hat sich aber verzögert. Ob die Flughafengesellschaft verkauft wird, ist auch nach dem veränderten Angebot der Interessenten Hochtief/IVG ungewiss. Das gemeinsame Konsortium will, wie berichtet, den Flughafen Schönefeld erst für das Jahr 2011 ausbauen, während die Flughafengesellschaft weiter am bisherigen Eröffnungstermin Ende 2007 festhält.

Das Konsortium von Hochtief und IVG steht weiter zu seinem gemeinsamen Angebot; einen Rückzug werde es nicht geben, hieß es gestern übereinstimmend von beiden Seiten.

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