Berlin : Tod bei Kilometer 19

Kurz vor dem Ziel brach ein Berliner zusammen. Hilfe war sofort zur Stelle – vergeblich

Stefan Jacobs

Der Tod eines Berliner Läufers überschattet den 27. Berliner Halbmarathon. Nach Auskunft der Polizei war es etwa 12.20 Uhr, als der 38-Jährige an der Leipziger, Ecke Jerusalemer Straße plötzlich zusammenbrach. Zu dieser Zeit passierte gerade das Hauptfeld aus mehreren Tausend Läufern den Bereich bei Kilometer 19 der über 21 Kilometer langen Strecke. Professionelle Hilfe war binnen Sekunden zur Stelle: Ein mitlaufender Arzt begann sofort mit Wiederbelebungsversuchen. Doch weder er noch der Notarzt konnten dem Sportler helfen, der anschließend in die Charité gebracht wurde. Woran der Mann aus Charlottenburg starb, will die Polizei mit einer Obduktion klären lassen. Es gebe weder Hinweise auf Mängel bei der Hilfe noch darauf, dass jemand anderes den Tod mitverursacht haben könnte.

Nach Auskunft von Lars Brechtel, medizinischer Direktor des Veranstalters SCC-Running, starb der Läufer vermutlich am sogenannten Sekundenherztod. Ursache könne eine Erkrankung sein, sagte Brechtel, der selbst Arzt ist. Mitunter werde das Problem vorher nie bemerkt. Die Rettungsversuche jedenfalls seien „nach derzeitigem Stand optimal abgelaufen“. Der SCC habe die Logistik neu organisiert, nachdem beim Marathon 2002 zwei Läufer gestorben waren. Seitdem arbeite man noch enger mit Rotem Kreuz und Feuerwehr zusammen. Ärzte, die das Feld per Fahrrad begleiten, gebe es allerdings nur beim Marathon. Beim Halbmarathon radelten lediglich Sanitäter mit.

Das Rote Kreuz hat sich nach eigener Auskunft „mit einer Vielzahl von Defibrillatoren“ entlang der Strecke postiert, um bei Herz-Rhythmus-Störungen schnell helfen zu können. Häufig „flimmern“ die Herzkammern zunächst, bevor das Herz stehen bleibt. Ursache ist in den meisten Fällen eine Durchblutungsstörung, die auf verengten Herzkranzgefäßen beruht. Dann kann die extreme Belastung des Langstreckenlaufes zum Verhängnis werden. In Fachzeitschriften heißt es, dass Athleten über 35 Jahre stärker gefährdet sind. Bei augenscheinlich gesunden Marathonläufern jenseits dieses Alters liege das Risiko bei etwa 1:50 000, bei Joggern sei es mit 1:15 000 höher. Mehrfach starben in den vergangenen Jahren auch Fußballprofis auf dem Platz. In Deutschland erleiden laut dem Bericht jedes Jahr rund 100 000 Menschen einen plötzlichen Herztod, nur einige hundert davon allerdings beim Sport. Bei jüngeren Menschen können auch nicht entdeckte Herzfehler, eine von Viren oder Bakterien hervorgerufene Entzündung des Herzmuskels, Störungen in der Erregungsleitung des Herzens und ein krankhaft verdickter Herzmuskel den Herztod auslösen. Viele der knapp 150 DRK-Leute beim Halbmarathon waren auf fünf Hilfsstellen verteilt; die nächst gelegene befand sich rund einen Kilometer von dem Ort entfernt, an dem der Läufer starb.

Mitarbeit: Hartmut Wewetzer

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