Berlin : Tod einer Zeugin – es war eine Hinrichtung

Die Ukrainerin Yana Z. sagte vor Gericht aus und entging dann knapp einem Anschlag. Jetzt erschossen die Killer sie im Auto

Lars von Törne

Beim ersten Mordversuch kam sie knapp davon, beim zweiten Mal hatte sie kein Glück mehr. Die junge Frau, die wie berichtet am Montag von Anwohnern tot in einem Auto in der Schöneberger Frobenstraße entdeckt wurde, ist offenbar die 33-jährige Yana Z., die erst vor sechs Wochen einem Sprengstoffanschlag entgangen war. Das teilte am Dienstag die Staatsanwaltschaft mit, die die Ermittlungen leitet. Außerdem, so hieß es aus Justizkreisen, könnte der Tod von Yana Z. in Zusammenhang mit dem Mord in einem Charlottenburger Nagelstudio vor gut zwei Jahren stehen.

Im Dezember 2000 erschoss ein maskierter Mann die Besitzerin des Kosmetiksalons „Planet Nails“ in der Passauer Straße. Danach zündete er eine Handgranate und verletzte vier weitere Frauen, die sich in dem Laden aufhielten. Yana Z. war offenbar mit der Besitzerin des Geschäfts befreundet gewesen. Als möglicher Drahtzieher des Mordes wurde damals der Ehemann des Opfers verdächtigt, dem im Sommer 2001 der Prozess gemacht wurde. Yana Z. hatte vor Gericht ausgesagt, dass der Mann vor dem Mord wiederholt gewalttätig gegenüber seiner Frau gewesen sei. Daraufhin habe sie ihn verlassen. Der aus der Ukraine stammende Mann wurde allerdings aus Mangel an Beweisen von dem Vorwurf freigesprochen, einen Killer auf seine Frau angesetzt zu haben – obwohl der Richter bis zum Schluss Zweifel an der Unschuld des Angeklagten hatte.

Yana Z., die ebenfalls aus der Ukraine stammte und in Charlottenburg lebte, ist nach Auskunft von Justizsprecherin Ariane Faust durch Kopfschüsse getötet worden. Der oder die Täter sind geflohen. Weitere Informationen über Tatzeit, Hergang oder die vermuteten Täter wollte die Sprecherin aus ermittlungstaktischen Gründen nicht preisgeben. Aus Polizeikreisen hieß es, es gebe bereits eine erste heiße Spur. Am Dienstag fahndeten die Ermittler demzufolge nach einem BMW, dessen Fahrer möglicherweise mit der Tat in Verbindung steht.

Neben der Verbindung zum Nagelstudio könnte der aktuelle Mord auch mit Streitigkeiten unter organisierten Kriminellen zusammenhängen. Bei dem vereitelten Anschlag auf Yana Z. vor sechs Wochen war davon die Rede gewesen, dass die junge Frau zum Berliner Rotlichtmilieu zu rechnen sei. Dort soll sie auch auch ihren Lebensunterhalt verdient haben. Auch hieß es damals, die russische Mafia habe möglicherweise ihre Hände im Spiel gehabt. Es gebe einen „Riesenstrauß“ möglicher Motive, hatte damals ein Ermittler gesagt: Von Prostitution über Schlepperei bis hin zu Eigentumskriminalität.

Allerdings waren damals auch persönliche Motive nicht ausgeschlossen worden: Einige Wochen vor der Tat hatte sich Yana Z. im Streit von ihrem ebenfalls aus der Ukraine stammenden Mann getrennt. Am 21. November fand sich dann an ihrem Auto eine Splitterhandgranate, die beim Einsteigen explodiert wäre. Die Frau rief damals die Polizei, weil die zuvor geschlossenen Türen ihres 500er Mercedes nur angelehnt waren. Polizisten machten die Handgranate daraufhin unschädlich.

Das Misstrauen von Yana Z. rettete damals ihr selbst, ihrer Begleiterin und möglicherweise mehreren Passanten im Umkreis das Leben. Während des Bombenalarms waren mehrere Häuser geräumt, Straßen gesperrt und sogar der Bahnverkehr unterbrochen worden.

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