Berlin : Tod eines Polizisten: Schütze bedrohte schon früher Beamten

Zeugen im Prozess gegen Yassin Ali-K. vernommen

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Der Angeklagte Yassin AliK. hat Erfahrungen mit der Polizei – und sie mit ihm. Bereits vor zehn Jahren bedrohte er bei einer Hausdurchsuchung einen Beamten. Dafür wurde der Mann zu 15 Monaten Haft verurteilt. Und der leitende Polizeidirektor Martin Textor berichtete gestern vor dem Berliner Landgericht auch von einer Warnung, die damals bei der Polizei einging. Yassin Ali-K. habe sich bereits erkundigt, wo der Beamte wohne, hieß es. Er wolle ihm klar machen, „mit wem er sich hier einlässt“.

Am 23. April diesen Jahres hat der 34-Jährige sofort geschossen. Als ein Trupp des Polizei-Spezialeinsatzkommandos (SEK) den wegen einer Messerstecherei in der Türsteherszene gesuchten Angeklagten in der Neuköllner Wohnung seiner Eltern festnehmen wollte, erschoss er den 37-jährigen Polizisten Roland Krüger. Im Prozess um Totschlag beruft er sich nun auf eine Art Notwehr. Er habe den Angriff einer verfeindeten Großfamilie befürchtet und blindlings geschossen. Angeblich hörte er keine Rufe „Polizei, Polizei!“, angeblich sah er nicht den Schutzschild mit der Aufschrift „Polizei“.

Nun versuchen die Richter, diesen Punkt zu klären. Für den Berliner SEK-Chef Textor, der am zweiten Verhandlungstag als Zeuge vernommen wurde, steht fest: „Der Einsatz ist so gelaufen, wie er laufen musste, wie ich das von einem professionellen SEK erwarte.“ Die Beamten hätten die Pflicht, sich als Polizisten zu erkennen zu geben. Textor rechtfertigte das vom Verteidiger gerügte Vorgehen des SEK-Trupps: Die Beamten hatten die Tür eingeschlagen. Der Name der Familie des Angeklagten und der rivalisierenden Familie seien stadtbekannt. „Beide Clans kennen nur Gewalt bei Auseinandersetzungen.“

Doch auch eine Sozialarbeiterin, die den Einsatz miterlebte, kam zunächst nicht auf den Gedanken, dass sie Polizei vor sich hat. „Es gab einen fürchterlichen Knall, dunkel gekleidete Leute kamen, ein Mann hielt mir die Waffe entgegen, Rufe habe ich nicht gehört“, sagte die 55-Jährige. Sie sei aufgefordert worden, sich auf den Boden zu legen. „Ich hatte Todesangst.“ Die Sozialarbeiterin hatte damals einen Bruder des Angeklagten bei einem Ausgang aus der Haft begleitet.

Fünf Kinder und mehrere Erwachsene hielten sich in der Wohnung auf. Es sei ein Familientreffen in gelöster Stimmung gewesen, sagte die Zeugin. Als die Schüsse fielen und der Polizist Roland Krüger an der Schwelle zum Wohnzimmer tödlich am Kopf getroffen wurde, stand sie mit der Frau des Angeklagten in der Küche. Der Prozess wird am Freitag fortgesetzt. K. G.

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