Berlin : Tod in der Neujahrsnacht

Zum Jahreswechsel rief die Feuerwehr den Ausnahmezustand aus – eine Frau starb bei einem Brand, ein Mann durch einen Sturz vom Balkon

Jörn Hasselmann

Es brannte überall in Berlin. Von 19 Uhr am Silvesterabend bis 3 Uhr am Neujahrsmorgen rückte die Feuerwehr zu 1168 Einsätzen aus, das waren 68 mehr als im Vorjahr. Die meisten der 507 Brände wurden durch Böller oder Raketen verursacht, mehrere Menschen erlitten Rauchvergiftungen. So brannte in der Lichtenrader Hilbertstraße eine Wohnung aus, nachdem eine Rakete auf den Balkon geflogen war. Auch für den Brand im Keller eines Hauses an der Anouxstraße in Französisch-Buchholz können Böller ursächlich sein. Dort musste die Feuerwehr 20 Mieter in Sicherheit bringen, zwei wurden verletzt. Insgesamt musste die Feuerwehr 564 Verletzte versorgen, das sind 58 weniger als im Vorjahr.

Zwei Menschen starben in den ersten Stunden des neuen Jahres. Ein 27-jähriger Berlin-Besucher aus Thüringen stürzte um 1.20 Uhr in der Okerstraße in Neukölln von einem Balkon im 3. Stock. Er schlug im Innenhof auf und starb wenig später. Der Mann sei stark alkoholisiert gewesen, hieß es bei der Polizei. Vermutlich durch einen brennenden Fernseher starb eine etwa 60 Jahre alte Frau in einem Hochhaus an der Lipschitzallee in der Neuköllner Gropiusstadt. Um 2.59 Uhr hatten Nachbarn Rauch bemerkt, die Feuerwehr fand die tote Frau in ihrem Wohnzimmer. Sie konnte noch nicht identifiziert werden, wahrscheinlich ist es die Mieterin.

Schwerste Verletzungen erlitt ein 42-Jähriger beim Anzünden eines Böllers auf dem Balkon seiner Wohnung an der Schmückertstraße in Zehlendorf. Dem Mann wurde durch den explodierenden Böller zwei Finger der linken Hand abgerissen, die Handfläche verbrannte stark. Wie in den Vorjahren rief die Feuerwehr wegen der Häufung der Notrufe neun Stunden lang zwischen 19.11 und 4.17 Uhr den Ausnahmezustand aus. Alle 60 Notruftelefone in der Leitstelle in Charlottenburg waren besetzt, es klingelte pausenlos– zwischen 19 und 3 Uhr 2800 Mal. In normalen Nächten arbeiten 20 Beamte in der Leitstelle.

Die Polizei verzeichnete ein ruhigeres Silvester. In der Marzahner Schorfheidestraße sprengten zwei Männer eine Telefonzelle in die Luft, entweder mit illegalen Polenböllern oder mit einer selbstgebastelten Rohrbombe. Zeugen hörten einen großen Knall und sahen zwei Jugendliche wegrennen. Es gab viel Unfug mit Böllern. Kleinere Brände in Papiercontainern, Kellerverschlägen, Mülltonnen oder Papierkörben der BSR mussten gelöscht werden. Der Sachschaden konnte noch nicht beziffert werden.

Auch die S-Bahn klagte über Schäden durch Knallkörper. „Die Leute toben sich in den Zügen aus“, sagte Sprecher Ingo Priegnitz. Böller würden „auf und in die Züge geworfen und damit Menschen hochgradig gefährdet“. Es gebe „reichlich Schäden“ in den Waggons; in keiner deutschen Stadt sei das Vandalismus-Problem so groß wie in Berlin. Der von einem Böller verursachte Brand auf einem Bahnsteiggleis am Zoo sei nur der traurige Höhepunkt in dieser Nacht. Tausende Fahrgäste kamen teilweise Stunden später nach Hause.

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