Tod in Friedenau : 20-Jähriger tötet Freundin und sich selbst

Drama um ein junges Paar in Schöneberg: Am Sonntagabend erwürgte der 20-jährige Dorian B. seine Lebensgefährtin. Sein Motiv ist unklar. Sicher ist: Die beiden dokumentierten zuvor ihre Liebe im Internet. Erst Ende 2007 hatten sie sich verlobt.

Jörn Hasselmann

Als „Luftikuss007“ und „New Shadow“ hielten sie im Internet Kontakt miteinander – eine Bekannntschaft, die zur Liebe wurde und mit dem Tod zweier junger Menschen endete: Am Sonntagabend hat der 20-jährige Dorian B. seine ein Jahr jüngere Verlobte Vanessa H. in ihrer Wohnung erwürgt und sich anschließend mit dem Duschschlauch erhängt. Dieser riss vermutlich ab, so dass das Wasser ausströmte und in andere Wohnungen lief. Als eine Mieterin aus dem Parterre des Hauses an der Schöneberger Menzelstraße um 20.16 Uhr die Feuerwehr holte, wurde das Drama entdeckt: Feuerwehrmänner, die über den Balkon in die Wohnung eingestiegen waren, fanden die beiden jungen Leute. Vanessa war vor genau einer Woche 19 geworden.

Ihre Liebe hatten sie im Internet vielfach dokumentiert. Seit dem 11.11. 2007 waren sie „verlobt“, im August des Jahres hatten sie sich kennen gelernt, „unser Tag“ schrieben sie dazu. Im Chatforum von knuddels.de hatten sie sich am noch am Tag ihres Todes getroffen, er verließ den Chatroom „Berlin4“ um 15.51 Uhr, sie um 15.42 Uhr. Vermutlich hatten sie dort für den Abend verabredet. Was dann geschah, ist unklar. „Wir waren den ganzen Tag da, wir haben nichts gehört“, sagte die Mieterin aus der Parterrewohnung. Ein Mann aus einem oberen Stock lobte das Mädchen als „sehr hilfsbereit, sie hat mir immer die Tasche nach oben getragen“. Sie sei vor etwa einem halben Jahr allein in die Wohnung gezogen.

Zum Motiv der Tat konnte die Mordkommission nichts sagen. Im Internet lassen sich viele Andeutungen finden, dass Dorian sehr große Angst vor dem Verlust seiner großen Liebe hatte. „Ich war so oft, so lang, allein und einsam“, heißt es in einem Video, das Dorian produziert und „Luftikuss007“ gewidmet hat. Es trägt den Titel „Trauer“. Auch das zweite, etwas düstere Video, das er ebenfalls nach der Verlobung am Computer produzierte, richtet sich an seine Vanessa: „Ich Liebe Dich so sehr!“, heißt dieses. Die Angst vor einer Trennung hat beide offenbar sehr beschäftigt: „Lebe – und du wirst verletzt und gehasst. Sterbe – und du wirst geliebt und vermisst“, heißt es dort beispielsweise. Von einem „bittersüßen Ende“ ist an anderer Stelle die Rede.

Einen handgeschriebenen Abschiedsbrief haben die Beamten der Mordkommission bislang nicht gefunden. Jetzt sollen die Computer der beiden Toten durchforscht werden, um Hinweise auf den Auslöser dieses Dramas zu finden. Vor allem für Dorian soll das Internet sehr wichtig gewesen sein. Bei knuddels.de fungierte „New Shadow“ als Administrator, ordnete also die Beiträge der Mitglieder. Seine „Knuddels“-Seite verrät, dass er „138 137 Minuten“ online war – dass sind 2300 Stunden.

„Luftikuss007“ war nur 40 915 Minuten im Netz. Im realen Leben war Vanessa Auszubildende in der Stadtbibliothek Neukölln, sie lernte „Medien- und Informationsdienste“. „Furchtbar“ entfuhr es der Leiterin der Stadtbibliothek, als sie vom Schicksal ihres Lehrlings erfuhr. Bis vor etwa einem halben Jahr hatte Vanessa bei ihrer Mutter in Schmargendorf gewohnt. Dort war sie wegen Streits mit ihrem Stiefvater ausgezogen, vorübergehend zu ihrem Vater, der Polizist ist, nach Friedenau. Anfang des Jahres hatte sie dann die kleine Wohnung mit dem französischen Balkon in der Menzelstraße, dicht am S-Bahnhof Friedenau gefunden. Kürzlich hatte sie sich ein Kätzchen gekauft, das sie Trixie taufte. „Ich bin so glücklich, wie schon lange nicht mehr“, schrieb Vanessa auf einer Internetseite: „Er wohnt ganze zwei U-Bahn Stationen von mir entfernt.“ Dazu ein Foto der beiden, das schlicht „Mein Schatz und ich“ heißt.

Dorian B. lebte noch bei seiner Familie im Seitenflügel eines eleganten Wilmersdorfer Altbaus. Er hatte bis Januar seinen Zivildienst geleistet und wollte eine Ausbildung beginnen.

„Die Ermittlungen, insbesondere zum Motiv des Geschehens, dauern an“, heißt es in einer kurzen Meldung des Präsidiums. Doch der Täter ist tot – die Akte wird bald geschlossen. Denn die Spurenlage habe klar ergeben, dass es keinen unbekannten Dritten gibt, nach dem gefahndet werden müsste.

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