Berlin : Tod in Klinik: Schuld bleibt ungeklärt Kunstfehler-Verfahren gegen Ärzte eingestellt

Die Tochter suchte nach dem Tod ihrer Mutter das Gespräch. Sie habe mit den behandelnden Klinikärzten reden wollen, sagte ihr Anwalt. Doch man habe sie „arrogant abgefertigt“. Einige Monate später erstattete die 47-jährige Tochter Anzeige. Mehr als sechs Jahre nach dem Tod der Patientin mussten sich nun vier Ärzte, darunter ein Chefarzt, wegen fahrlässiger Tötung vor dem Amtsgericht Tiergarten verantworten. Die Staatsanwaltschaft war in ihrer Anklage von ärztlichen Kunstfehlern ausgegangen. Alle Angeklagten hätten eindeutige Symptome „sorgfaltspflichtwidrig missachtet“.

Die 69-jährige Patientin war von ihrer Hausärztin als „Notfall mit unklarer Diagnose“ in ein Berliner Krankenhaus eingewiesen worden. Den Ermittlungen zufolge unterlief einer Ärztin an jenem 4. April 2001 der erste schwere Behandlungsfehler. Eine urin-diagnostische Untersuchung als klinischer Standard sei nicht erfolgt. Dabei sei bei Aufnahme der Rentnerin bekannt gewesen, dass sie unter einer eingeschränkten Nierenfunktion und Diabetes litt. Die drei weiteren Angeklagten hätten einen Tag darauf ein Sonographie-Ergebnis verkannt und in „kunstfehlerhafter Weise“ erforderliche Untersuchungen unterlassen. Sechs Tage sei der Infekt unentdeckt geblieben. Nach sieben Tagen im Krankenhaus war die Frau gestorben. Die Ermittlungen zogen sich – wie so oft in ähnlichen Fällen – über Jahre hin. Der wissenschaftliche Disput gestaltete sich auch schwierig, weil keine Obduktion durchgeführt worden war.

Hinter verschlossenen Türen berieten die Prozessbeteiligten die Sache. Die Nebenklage befürchtete einen jahrelangen Streit durch die Instanzen, die Verteidiger vermutlich auch. Die Akten wurden schließlich einvernehmlich geschlossen. Gegen Zahlung von insgesamt 10 000 Euro an die Tochter der Verstorbenen wurde das Verfahren gegen die vier Ärzte eingestellt. Die Frage nach Schuld oder Unschuld bleibt damit ungeklärt. K. G.

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