Berlin : Todesfahrt im Rettungswagen: Zwei Jugendliche gefasst

In Sanitätskleidung und mit Blaulicht rasten die 15- und 17-Jährigen in ein Auto. Die beiden hatten schon einmal einen Notarztwagen gestohlen

Frauke Herweg

Am Sonntagmorgen hatten sie mit einem zuvor gestohlenen Johanniter-Unfallwagen einen tödlichen Verkehrsunfall verursacht – jetzt fasste die Polizei zwei 15- und 17-jährige Jugendliche. Sie haben inzwischen ihre Tat gestanden. Über die Motive für ihre nächtliche Fahrt schweigen sie sich allerdings noch aus.

Die beiden Jugendlichen waren mit Blaulicht auf die Kreuzung von Haupt- und Dominicusstraße in Schöneberg gerast und dort mit einem dunkelbraunen Kleintransporter zusammengekracht. Die 30-jährige Beifahrerin starb, ihr ein Jahr älterer Ehemann erlitt schwere Verletzungen. Den entscheidenden Hinweis auf die beiden Jugendlichen bekam die Polizei von einer Taxifahrerin. Die 43-jährige Kreuzbergerin, die ungenannt bleiben will, hatte in der Nacht zum Sonntag einen Kunden unweit der Unfallstelle abgesetzt. Wenig später hielten die beiden Heranwachsenden ihren Wagen an der Kolonnen- Ecke Feurigstraße an. Sie ließen sich von ihr nach Mariendorf bringen, fast direkt vor die Haustür des 17-Jährigen, der den Unglückswagen fuhr.

„Die beiden haben sich nicht besonders helle angestellt“, sagt ein Polizeisprecher. Beide Jugendlichen trugen noch die eigens angezogenen Sanitäteruniformen - rote Jacke, helle Hosen -, als sie in Schöneberg in das Taxi einstiegen. Mit der von der Taxifahrerin angegebenen Adresse in Mariendorf hatten die Ermittler schließlich leichtes Spiel. Am Montagabend gegen 21 Uhr nahmen sie den 17-Jährigen fest, eine halbe Stunde später seinen Mitfahrer.

Die beiden Jungen sind deutscher Herkunft und der Polizei bislang noch nicht aufgefallen. Erst bei den Vernehmungen wurde klar: das Duo war bereits in der Walpurgisnacht mit einem gestohlenen Rettungswagen auf Achse. Auch diesen hatten die beiden Jugendlichen in einer Garage am Buckower Damm in Neukölln gestohlen. Und kurze Zeit später – am 1. Mai – im Mariendorfer Wildspitzweg abgestellt. Nach Auskunft der Polizei soll der Wagen verbeult gewesen sein. Wahrscheinlich gehen die Schäden auf das Konto der beiden minderjährigen Fahrer.

Die Garage, aus der die beiden Wagen gestohlen wurden, liegt weit ab von Wohnhäusern. Der 15-Jährige zumindest kannte die Garage, in der neben den Wagen der Johanniter-Unfallhilfe auch die Katastrophenschutzfahrzeuge der Berliner Feuerwehr stehen: Er hatte mehrmals Treffen der Johanniter-Jugend besucht. Wenige Stunden, bevor er mit seinem Kumpel den Wagen stahl, bot er nach Auskunft von Johanniter-Kreisvorstand Andreas Schiemanz seine Trägerdienste an und half den Johannitern dabei, Bewohner eines Pflegeheimes zu verlegen. Schiemanz geht davon aus, dass er dabei den Schlüsselkasten entdeckte, in dem die Schlüssel für alle Wagen hängen: die Garagentür wurde aufgebrochen, der Wagen aber mit seinem eigenen Schlüssel gestartet. Beim ersten Einbruch hatte das Duo den Diebeswagen noch kurzgeschlossen.

Schiemanz bestreitet, dass die Jugendlichen die Sanitäterjacken aus dem Wagen gestohlen haben sollen. „Bei uns fehlt keine Jacke“, sagt Schiemanz. Möglich sei, dass die beiden Mariendorfer die Uniformen in einem Berufsbekleidungsgeschäft gekauft oder im Internet ersteigert hätten.

Der Zustand von Murat S., der bei der tragischen Kollision schwere Verletzungen erlitt, hat sich inzwischen stabilisiert. Seine Familie kümmert sich um seine beiden Kinder, ein elfjähriges Mädchen und einen acht Jahre alten Jungen.

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