Berlin : Todeslisten, Bombendrohungen

Die jüngsten Polizeieinsätze an Berliner Schulen

André Görke

Bombendrohung oder Amoklauf: Die Berliner Polizei löste schon oft Alarm aus – auffällig oft im Winter 2006, in den nervösen Tagen nach dem „Amoklauf von Emsdetten“. Damals hatte ein 18-Jähriger in seiner Schule bei Münster wahllos um sich geschossen, fünf Personen verletzt und sich dann das Leben genommen. Eine Übersicht über die jüngsten Polizeieinsätze an Berliner Schulen.



Auf der Todesliste: An der Bertha-von- Suttner-Oberschule in Reinickendorf wird im November 2006 ein Amoklauf verhindert. Ein Schüler, 17, hatte Mitschülern wochenlang von seinen Mordplänen erzählt. Sensibilisiert durch die Tat von Emsdetten, verrieten ihn Mitschüler. Die Polizei fand in seiner Wohnung eine Liste mit Namen von fünf Mädchen, die er angeblich umbringen wollte. 13 (ungefährliche) Soft-Air-Waffen werden entdeckt. In den folgenden Tagen häufen sich die Meldungen, Nachahmer kündigen angebliche Attentate in Reinickendorfer und Steglitzer Schulen an. Die Polizei muss ausrücken – Fehlalarm Tag für Tag.

Morddrohung aus Spaß: Ein Mann, 41, kündigt nachts in fünf Internet-Chatrooms an: „Ich mach morgen mal schnell ’ne Schule platt, wer will, kann mitmachen.“ Treffpunkt? „8 Uhr, Zitadelle.“ Dort könne man sich eine Schule aussuchen. In der Nähe befinden sich Gymnasien. Der Mann wird ermittelt und festgenommen – in Würzburg. Sein Motiv? „Spaß.“ Der Mann wird später zu einem Jahr und vier Monaten Haft verurteilt – „wegen öffentlicher Aufforderung zu Straftaten sowie Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung einer Straftat“, so die Richter.

Mehl im Koffer: Ein 19-Jähriger legt im Dezember 2006 vor dem OSZ in Moabit einen Rollkoffer ab und klebt einen Zettel drauf: „Tick, Tick, Tick, die Zeit läuft“, schreibt er, alles werde in die Luft fliegen. Die Schule wird evakuiert, Banken und Versicherungen nebenan sind lahmgelegt. 100 Polizisten rücken an, Sprengstoffexperten zerschießen den Koffer schließlich mit einem Wassergewehr – im Innern ist Mehl. Fünf Monate später wird der Mann gefasst und angeklagt. Sein Motiv? Er hatte Angst vor einer Klausur.

Zur Kasse gebeten : In der Pankower Janusz-Korczak-Realschule geht im Januar 2007 eine Bombendrohung ein. Die Polizei rückt aus, Großeinsatz, Kosten: 1946 Euro. Wer die zahlt? „Sie werden beim Verursacher eingefordert“, sagt Innensenator Ehrhart Körting (SPD). Kein Einzelfall, dass Täter – wenn sie erwischt werden – zahlen müssen. Ein 16-Jähriger, der 2003 am Telefon ankündigte, „ein paar Lehrer“ an einer Kreuzberger Schule zu erschießen, wird ermittelt. Der „Scherz“, wie er es nennt, kostet ihn 1100 Euro.

Angst im Umfeld: Im Victor-Klemperer- Kolleg in Marzahn geht 2006 eine Bombendrohung ein, die Schule wird geräumt – und die gesamte Nachbarschaft: 100 Wohnungen. Nach sechs Stunden Durchsuchung steht fest: Fehlalarm.

Sensibilisiert: Als im Dezember 2007 an einer Reinickendorfer Schule ein 14-Jähriger im Unterricht von Amoklauf spricht, alarmiert die Lehrerin die Polizei. Der Junge wird zu Hause angetroffen, die Beamten führen „ein klärendes Gespräch“. Zeitgleich entdeckt ein Lehrer in Schöneberg in einem Text eines 15-Jährigen Tötungsabsichten gegen Mitschüler und Lehrer. Polizisten eilen herbei; der Junge sagt, er meinte es nicht so ernst. André Görke

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