Berlin : Todesschüsse auf Räuber: Justiz ermittelt gegen Polizisten

Tobias Arbinger

Nach dem Raubüberfall auf einen Supermarkt in Lichtenberg, bei dem am Montagabend ein Räuber von Schüssen tödlich getroffen wurde, ermittelt die Justiz nun gegen einen Polizisten - den mutmaßlichen Schützen. Das Opfer, einer der Tatverdächtigen, sollte gestern obduziert werden, um die näheren Umstände seines Tode zu klären, teilte die Justizpressestelle mit. Die Kugeln hatten den Mann offenbar bei der Festnahme getroffen. Er starb, wie berichtet, wenig später in einem Krankenhaus. Angeblich wohnte er in der Nähe des Tatorts.

Die Justizpressestelle bestätigte gestern lediglich, dass mehrere Männer festgenommen wurden, angeblich sind es zwei. Ermittlungen gegen Polizisten seien die Regel, wenn Schüsse aus einer Dienstwaffe abgegeben werden, sagte ein Sprecher.

Unbestätigten Angaben zufolge wurden die Verdächtigen von der Polizei in dem "Extra"-Markt am Anton-Saefkow-Platz abgepasst. Etliche Zivilpolizisten und Angehörige des Spezialeinsatzkommandos (SEK) sollen vor dem versuchten Raub in der Umgebung und im Lebensmittelgeschäft postiert worden sein und schon stundenlang auf die Täter gewartet haben. Die Justiz wollte die Angaben nicht bestätigen. Details sollen erst heute bekannt gegeben werden. Der Justizsprecher deutete aber an, dass in einer "Raubserie" ermittelt worden sei.

Nach Angaben eines Zeugens betraten die Täter den Supermarkt kurz vor 19 Uhr. Angeblich trat einer der Räuber gerade in den Verkaufsraum, einer soll in einem Vorraum mit Bäckerei und Stehtischen und einer nahe des Eingangs gestanden haben als die Polizei eingriff. Der Mann an der Tür soll eine Waffe gezückt haben. Dem Zeugen zufolge sind darauf, um 18.50 Uhr, "in kurzer Folge" drei Schüsse gefallen. Nachdem der Räuber zusammenbrach seien die Besatzungen von etwa acht Einsatzwagen in den Supermarkt gestürmt.

Über den Hinweis auf eine "Raubserie" kann man unterdessen nur spekulieren. Überfälle auf Lichtenberger Supermärkte gab es im Januar dieses Jahres und im Juni 2000. Am 6. Januar hatten zwei maskierte Männer einem Lieferanten und zwei Angestellten eines Lebensmittelladens in der Sewanstraße aufgelauert. Sie hatten sie bedroht, sich den Schlüssel für den Tresor aushändigen lassen und diesen leer geräumt. Im Juni 2000 hatten zwei Maskierte die Kassiererin eines Supermarktes an der Landsberger Allee mit einer Pistole bedroht. Auch sie erbeuteten Bargeld.

Tödliche Schüsse aus einer Polizeiwaffe hatte es in Berlin unter anderem im August 1997 gegeben. Auf einem Industriegelände in Hohenschönhausen erschoss damals ein 36-jähriger Polizeimeister einen mutmaßlichen Einbrecher. Im April 1995 starb ein Tankstellenräuber in Tempelhof durch eine Polizeikugel. Der Täter hatte auf der Flucht Zivilbeamte mit einer echt aussehenden Schreckschusswaffe bedroht.

Die Vorschriften, unter welchen Umständen die Polizei Schüsse abgeben darf, sind in einem Landesgesetz geregelt. Darin heißt es unter anderem: "Schusswaffen dürfen nur gebraucht werden, wenn andere Maßnahmen des unmittelbaren Zwanges ... offensichtlich keinen Erfolg versprechen." In jedem Fall dürfe der Zweck nur sein, "angriffs- und fluchtunfähig zu machen". "Der Gebrauch von Schusswaffen ist anzudrohen".

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