Berlin : Todessturz weiter rätselhaft

Vierjähriger war mit Mutter im Hochhaus und fiel aus einer Höhe von 30 Metern in die Tiefe

Tanja Buntrock

Nach dem Tod des vierjährigen Raoul, der aus dem 15. Stock eines Wohnhauses in Kreuzberg gestürzt war, ermittelt die Kripo weiterhin die Umstände. Die Beamten sind damit beschäftigt zu rekonstruieren, was am Donnerstag gegen 21.30 Uhr in dem Laubengang des Hochhauses in der Friedrichstraße passiert ist. Zuvor starben,wie berichtet, am selben Tag zwei weitere Kleinkinder in Spandau und Brandenburg, die aus Fenstern gestürzt waren. Die Polizei bezeichnete die Häufung dieser Fälle zwar als „absolute Ausnahme“, dennoch appellieren Kinderärzte und Erzieher sowie die Polizei, möglichst viele Sicherheitsvorkehrungen zu treffen.

Die 29-jährige Mutter von Raoul liegt derweil weiterhin in der psychiatrischen Abteilung eines Krankenhauses. Kurz nach dem Unfall war die Frau wegen Verdachts der fahrlässigen Tötung zunächst vorläufig festgenommen worden. Sie konnte aber am Freitag von Kripo-Beamten kurz befragt werden. „Der Verdacht konnte nach ihrer Befragung allerdings nicht erhärtet werden“, sagte ein Polizeisprecher. Doch aufgrund des psychischen Zustands der Frau – bei ihr soll Suizidgefahr bestehen – lägen immer noch keine eindeutigen Ermittlungsergebnisse vor. Fest steht nur, dass die gebürtige Aserbaidschanerin Irina J. mit ihrem Sohn Raoul zum Besuch von Verwandten in das Hochhaus in die Friedrichstraße gefahren ist. Diese Verwandten sollen nach Tagesspiegel-Informationen allerdings nicht in der 15. Etage wohnen, von wo aus der Junge circa 30 Meter in die Tiefe gestürzt war. Genauere Angaben konnte die Polizei dazu gestern nicht machen. Auch konnte sie nicht die Version bestätigen, dass die Mutter Raoul über die Brüstung gehalten hat, um ihm die Stadt zu zeigen. Dabei soll der Junge ihr dann aus der Hand geglitten sein.

Auch der dreieinhalbjährige Sunny aus Spandau und die anderhalbjährige Yasmin aus Eberswalde erlagen ihren schweren Sturzverletzungen. Sunny hatte die Fenstergriffe, die seine Mutter vorsorglich abmontiert hatte, gefunden und eigenständig wieder anmontiert. Er verlor das Gleichgewicht und fiel aus dem zweiten Stock. Yasmin soll allein auf den Balkon gekrabbelt und auf die Brüstung geklettert sein. Sie fiel aus dem 5. Stock 18 Meter in die Tiefe.

Erzieher und Kinderärzte weisen darauf hin, dass Eltern ihr Kind in Räumen mit offenen Fenstern oder Türen nicht alleine lassen sollten. Wenn möglich, sollten die Fenster durch abschließbare Griffe gesichert werden. Diese Schlösser sind für wenige Euro im Baumarkt erhältlich. Zudem sollten Eltern darauf achten, keine Möbel vor Fenster oder Balkontüren zu stellen. Kleinkinder sind neugierig und können dort hochklettern, um Türen oder Fenster zu öffnen.

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