Todesursache wird ermittelt : Rosa Luxemburg: Obduktion nach 90 Jahren

Die Staatsanwaltschaft ermittelt jetzt die Todesursache des möglichen Leichnams von Rosa Luxemburg. Erst dann darf die Tote bestattet werden.

Nana Heymann

Wird das Rätsel um den unbekannten Frauenleichnam aus dem Keller der Charité doch noch gelöst? Die Staatsanwaltschaft hat den Torso, bei dem es sich womöglich um die Überreste von Rosa Luxemburg handelt, beschlagnahmt und eine Obduktion angeordnet. „Die Untersuchung ist am Mittwoch von Amts wegen erfolgt“, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft auf Anfrage. Sie soll Aufschluss darüber liefern, ob eine Fremdeinwirkung als Todesursache in Betracht kommt. Erst nachdem mögliche Beweise dafür gesichert sind, darf die Tote bestattet werden. Die Ergebnisse der Obduktion werden innerhalb der nächsten Wochen erwartet.

Im Mai dieses Jahres erregte der Chef der Berliner Rechtsmedizin, Michael Tsokos, Aufsehen mit seiner Vermutung, dass es sich bei der Fettwachsleiche, um die 1919 ermordete Kommunistin handeln könnte - jahrzehntelang hatte sie unbeachtet in einer Vitrine auf dem Gelände der Charité gelegen. Derartige Gerüchte kursierten am Institut für Rechtsmedizin immer wieder.

Als Grund für seine Theorie gab Tsokos Ungereimtheiten im Obduktionsprotokoll an, das nach der Untersuchung einer unbekannten Frauenleiche aufgesetzt wurde. Tsokos geht davon aus, dass sich das Protokoll auf den Leichnam einer anderen Frau bezogen haben muss. Dafür spräche, dass anatomische Besonderheiten des Fettwachsleichnams aus der Charité wie ein Hüftschaden nicht erwähnt wurden. Luxemburg soll ein verkürztes Bein und eine schiefe Hüfte gehabt haben, was ihren watschelnden Gang zur Folge hatte. Davon ist in dem historischen Gutachten aber keine Rede.

Eine sogenannte C14-Analyse des Torsos im Leibniz-Labor für Altersbestimmung in Kiel bestätigte zudem, dass die Person um die vorige Jahrhundertwende herum gelebt hat. Außerdem wurde in München Anfang Dezember eine Isotopenuntersuchung vorgenommen, die Rückschlüsse auf den Aufenthaltsort und die Lebensumstände der Person zulässt. „Die vorgefundenen Isotopensignaturen passen qualitativ zu dem uns bekannten Lebenslauf von Rosa Luxemburg“, heißt es in dem Gutachten. Und auch Michael Tsokos gab sich nach diesem Ergebnis zuversichtlich: „Bisher gibt es keinen Gegenbeweis, dass es sich nicht um Luxemburg handelt.“

Der letzte Beweis dafür fehlt ebenfalls. Im Sommer war Tsokos nach Warschau gereist, um Herbarien der Kommunistin zu untersuchen. Insgesamt 18 Hefte mit Pflanzensammlungen lagerten dort im Zentralarchiv. Doch genetische Spuren fand Tsokos nur von Männern, weibliche DNA fand sich nicht an den Heften, die Luxemburg in der Zeit von 1913 bis 1918 angelegt hatte. Auch die Untersuchung von Verwandten aus Israel und Litauen, die sich bei Tsokos gemeldet hatten, brächte keinen Aufschluss: Genetisch gesehen sind sie verwandtschaftlich zu weit von Luxemburg entfernt.

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