Berlin : Tödlich gekränkt

Frauen, die gewalttätige Männer verlassen, können kaum geschützt werden

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Eine Frau wurde von ihrem gewalttätigen Ehemann erstochen. Hätte die Polizei mehr zu ihrem Schutz tun können? Diese Frage stellt sich, nachdem am Montag die 24jährige Stefanie Celik – wie berichtet – in einem Imbiss in Prenzlauer Berg von ihrem 28-jährigen Ehemann getötet worden ist. Der Täter, Mahmut Celik, ist seitdem auf der Flucht. Bislang sind bei der Kripo zehn Hinweise eingegangen – zu Celik haben sie nicht geführt.

„Die Polizei hätte sicher nicht mehr machen können“, sagt der Leiter für Prävention und häusliche Gewalt beim Landeskriminalamt, Winfried Roll. „Wir können nicht jede Frau, die von ihrem Partner bedroht wird, unter Polizeischutz stellen.“ Das Personal dafür sei nicht vorhanden. Eine große Hilfe für die Beamten, um Opfer häuslicher Gewalt zu schützen, biete die Möglichkeit, die Täter für 14 Tage aus der Wohnung zu verbannen. Damit soll die bedrohte Frau genügend Zeit bekommen, eine Trennung vorzubereiten. 1036 dieser so genannten „Wegweisungen“ wurden 2003 ausgesprochen. Im ersten Halbjahr 2004 waren es 528.

Stefanie Celik war schon einen Schritt weiter. Nach mehreren gewaltsamen Übergriffen hatte sie sich am 1. August von ihrem Mann getrennt und ging zum Amtsgericht. Dort können Opfer häuslicher Gewalt eine Verfügung beantragen, dass der Täter sich für mindestens sechs Monate weder Wohnung noch Opfer nähern darf. Doch Mahmut Celik verstieß gegen die Verfügung. „Er hat sie danach mehrmals bedroht“, sagt Roll. Die Konsequenz daraus sei aber lediglich ein Ermittlungsverfahren.

Viele Frauen, die sich von ihren Männern trennen, leben gefährlich. Psychologen beschäftigen sich schon seit Jahrzehnten mit dem Phänomen der Partnertötung. Ganz wie im Fall von Mahmut Celik verlaufen die Taten oft völlig musterhaft, beinahe wie nach Drehbuch: Der Mann erlebt den Trennungswunsch seiner Frau als Verlust von Führung und Kontrolle und fühlt sich machtlos – eine Erfahrung, die sich mit dem vorherrschenden männlichen Selbstbild nicht in Einklang bringen lässt.

Noch stärker ist dieses Selbstbild bei Männern aus dem arabischen Kulturkreis ausgebildet. Es gibt zwar keine exakten Erhebungen darüber, wie oft sich ausländische Männer an ihren Ex-Frauen vergreifen, doch die Statistik lässt ihre Schlüsse zu: Insgesamt waren 48 der Tatverdächtigen bei den Tötungsdelikten 2003 nicht-deutscher Herkunft – bei einem Bevölkerungsanteil von 13,2 Prozent. Für deutsche wie nicht-deutsche Männer gilt: Die Tat selbst ist ein Verzweiflungsakt, wird meist im Affekt begangen. Im Grunde tötet der Mann, um seine Frau nicht zu verlieren. kf/tabu

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