Berlin : Tödliche Abkürzung: 14-Jähriger starb im Gleisbett

Der sichere Weg hätte eine Minute gedauert. Die drei 14-Jährigen standen auf dem gegenüberliegenden Bahnsteig, wollten sich die Treppen sparen – und kletterten auf die Gleise. Zwei Schüler schafften es auf die andere Seite, der dritte nicht. Ein ICE mit mindestens Tempo 160 erfasste den Jungen, er war auf der Stelle tot.

Das Unglück geschah, wie in einem Teil der gestrigen Auflage bereits berichtet, am Freitagabend auf dem Regionalbahnhof Albrechtshof, der hinter Spandau direkt an der Stadtgrenze liegt. Der ICE kam nach einer Schnellbremsung knapp einen Kilometer weiter im brandenburgischen Seegefeld zum Stehen. Dort mussten die 500 Fahrgäste im gut besetzten Zug knapp zwei Stunden ausharren, bis die Staatsanwaltschaft den Zug und die Strecke wieder freigegeben hatte. Alle anderen ICE und IC wurden über Wustermark umgeleitet, sie hatten nur etwa zehn Minuten Verspätung.

Noch am Unglücksort hatten die beiden Freunde des Opfers gesagt, dass man einen auf dem anderen Gleis herankommenden Zug nach Berlin erreichen wollte. Zuvor seien sie in Spandau auf dem Weg ins Zentrum versehentlich in den falschen Zug gestiegen. In Albrechtshof stiegen sie aus, um zurückzufahren. Der kleine, unbesetzte Haltepunkt hat zwei Seitenbahnsteige, dazwischen liegen die Gleise von und nach Hamburg. Wieso die drei Jungen nach dem Aussteigen um 18.20 Uhr noch Minuten trödelten, ist unklar. Offenbar sahen sie dann den Zug von Weitem herannahen und sprangen schnell auf die Gleise. Dass dieser Zug gar nicht in Albrechtshof halten würde, wussten sie nicht. Direkt dahinter folgte der ICE. Ein tödlicher Fehler – von einer „Mutprobe“ hätten die beiden Überlebenden nicht gesprochen, hieß es bei der Polizei.

Fünf Jahre zuvor hatte es nur wenige hundert Meter entfernt eine derartige Mutprobe gegeben. Ein Zwölfjähriger wollte seiner jüngeren Schwester zeigen, dass er vor dem herannahenden Güterzug über die Gleise rennen kann. Das hatte der Junge geschafft – doch den Zug aus der anderen Richtung übersehen. Er war sofort tot. Im Juli 2006 war auf dem Bahnhof Charlottenburg eine 26-Jährige getötet worden, die vom Fernbahnsteig zum S-Bahnsteig wollte – ebenfalls über die Gleise. Ha

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