Berlin : Tödliche Wut

Er vergötterte sie, sie erschlug ihn mit dem Fleischklopfer. Prozess gegen 63-Jährige, die ihren Mann umbrachte

Kerstin Gehrke

Sie trägt Schwarz und um den Hals eine goldene Kette mit einem glitzernden Kreuz. Sie schluchzt zu Beginn des Mordprozesses. Später wird es in ein lautes Schniefen übergehen. Die 63-jährige Gisela K. soll ihren Mann zu Tode gequält haben. Aus Verachtung. In der Anklage heißt es, sie habe auf den 65-jährigen Klaus K. mit einem Metallfleischklopfer, einem heißen Bügeleisen und einem Telefonhörer massiv eingeschlagen – „mit dem Willen, ihn körperlich zu vernichten“.

In früheren Vernehmungen hatte Gisela K. kleinere Übergriffe eingestanden: „Ich habe ihm mal eine geklebt oder ihn mit einem Kochlöffel aus Plastik gehauen.“ Den Haftrichter fragte sie forsch: „Wie sieht es aus mit Kaution?“ Sie habe „nichts getan und viel zu erledigen“. Sie sagte auch: „Ich konnte mit Geld umgehen, er nicht. Ich komme aus besseren Verhältnissen, er nicht.“ Aussagen, die Schlaglichter werfen auf die Ehe, die vor 40 Jahren geschlossen wurde. Vor dem Berliner Landgericht verweigerte die Frau mit mahagonirot gefärbten Haaren gestern die Aussage.

Der tödliche Streit begann beim Abendessen am zweiten Advent letzten Jahres. Klaus K. mochte das Toastbrot nicht. Da soll Gisela K. wieder einmal wütend geworden sein. Vor dem Badezimmer brach der schmächtige Mann schließlich zusammen. Das soll gegen 23 Uhr gewesen sein. Erst am nächsten Tag gegen 15 Uhr rief Gisela K. ihre Tochter an: „Vater geht es nicht gut.“ Als die 42-Jährige die Zwei-Zimmer-Wohnung an der Schöneberger Kleiststraße betrat, war Klaus K. seit Stunden tot. Die von der Tochter alarmierte Feuerwehr schaltete die Polizei ein.

Die Ehefrau war in den Stunden vor Entdeckung der Tat nicht untätig. Sie putzte die Wohnung, steckte den Fleischklopfer und die blutbefleckte Kleidung des Toten in einen Müllsack, schrieb einen Brief an ihre Schwester. „Klaus hat mich mit seiner Klauerei in den Wahnsinn getrieben“, hieß es darin. „Klaus hat sich selbst den Schädel zertrümmert, fiel dann über ein heißes Bügeleisen.“

Die Polizeibeamten ahnten erst nach einem Anruf bei dem Hausarzt des Toten, dass es sich nicht um einen zunächst angenommenen Sturz, sondern möglicherweise um einen beispiellosen Fall von häuslicher Gewalt durch eine Frau handeln könnte. Der Hausarzt sagte, ihm seien mehrfach „Blessuren“ bei Klaus K. aufgefallen. Die Obduktion ergab, dass sich Klaus K. die Verletzungen nicht selbst beigebracht haben kann. Gestohlen hatte der frühere Möbelpacker K. tatsächlich. Die Frau habe ihren Mann kurz gehalten, sagte der Ankläger. Er habe „Gegenstände des täglichen Bedarfs gestohlen“.

Auch den Nachbarn war aufgefallen, dass der stille Mann oft Blutergüsse im Gesicht hatte, dass er aus Angst vor seiner Frau im Keller saß, dort rauchte. Sie boten ihm Hilfe an. Er reagierte nicht darauf. Eine Nichte des Getöteten sagte: „Er hat die Frau vergöttert.“ Gisela K. schrieb an ihre Schwester, sie könne „ohne ihren Klaus nicht leben“. Sie bat die Schwester vor Eintreffen der Polizei: „Bitte kümmere dich um die Grabstätte.“

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