Berlin : Tödlicher Irrweg durch das Klinik-Labyrinth

Vermisster Patient lag tot im Heizungsraum Ähnlicher Fall im Klinikum Neukölln bereits 2002

Tanja buntrock,Jörn Hasselmann

Die Leiche lag im zweiten Stock in einem Heizungsraum. Ein Techniker des Vivantes-Klinikum Neukölln fand den Toten am Donnerstag gegen 13.30 Uhr – durch Zufall. Schnell stand fest, dass es der seit vergangenen Freitag im Krankenhaus vermisste Patient Wolfgang B. handelt.

Der 63-Jährige war vergangene Woche wegen Verdachts auf Herzinfarkt in die internistische Station im vierten Stock gebracht worden. Freitag früh um 3.30 Uhr sah ihn eine Krankenschwester das letzte Mal – schlafend im Bett, wie Klinik-Sprecher Uwe Dolderer sagte. Um 5.30 Uhr alarmierte der Bettnachbar die Stationsschwester, weil Wolfgang B. verschwunden war. „Wir haben sofort mit der Suche angefangen. Als wir ihn nach einer halben Stunde nicht gefunden hatten, erstatteten wir bei der Polizei eine Vermisstenanzeige“, sagt der Sprecher.

Das Klinikpersonal suchte an den folgenden Tagen mehrfach das Krankenhaus und das Gelände ab, die Polizei fahndete im Stadtgebiet nach dem Demenzkranken. Diese Arbeitsteilung sei vereinbart gewesen, sagten Klinik- und Polizeisprecher gestern. Angehörige hätten gesagt, dass B. eher in der Stadt unterwegs sei. Erst gestern wollte die Polizei mit Suchhunden erstmals in der Klinik suchen – als die Hunde gerade eingetroffen waren, fand der Techniker die Leiche. Wie und in welchem Zustand B. in dem Heizungsraum lag, teilte die Polozei nicht mit. Die Ehefrau von Wolfgang B. hatte in der Umgebung Zettel mit dem Foto ihres Mannes verteilt, sie hatte auch die Schwestern informiert, dass Wolfgang B. schon zwei Mal verschwunden sei und beaufsichtigt werden müsse. Wie der Ärztliche Direktor der Klinik, Diethelm Hansen, sagte, hätten mehrere Türen im Techniktrakt wegen Wartungsarbeiten offen gestanden, die normalerweise verschlossen sein müssen. B. habe im Krankenhaus einen längeren Weg zurücklegen müssen, sagte Hansen. Er ließ offen, ob bei der nach Klinikangaben „systematischen Suche“ auch dieser Bereich durchsucht wurde. Das Krankenhaus hat 7300 Räume. „Wenn sie findig sind, kommen sie überall rein“, sagte Hansen über sein Krankenhaus.

Erst am Mittwoch war bekannt geworden, dass der 68-jährige Rollstuhlfahrer Karlheinz S. 80 Stunden lang in einem Fahrstuhl des Benjamin-Franklin-Klinikums in Steglitz gefangen war. Nach mehr als drei Tagen wurde er befreit. Im Vivantes Klinikum Neukölln ist bereits im Oktober 2002 ein Patient, der sechs Tage lang spurlos verschwunden war, tot aufgefunden worden: Der 86-Jährige lag in einem Heizungskeller vor einer Treppe.

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