Berlin : Tödlicher Schleuderball

Weil sich Kinder damit strangulieren könnten, ist der Verkauf von Gummi-Yo-Yos verboten

Sigrid Kneist

Bei Kindern sind sie der Renner der Saison: glibbrige, mit Gel gefüllte Gummibälle, die mit einer Gummistrippe wie ein Yo-Yo auf- und abgeschwungen werden können. Mit ein oder zwei Euro ist auch der Preis des Spielzeugs für die Kleinen attraktiv. Jetzt hat jedoch das Zollamt Marzahn 14 000 Yo-Yos einer Ladung eines chinesischen Großhändlers beschlagnahmt und vernichten lassen. Denn das Berliner Landesamt für Arbeitsschutz, Gesundheitsschutz und technische Sicherheit (Lagetsi) – wie auch andere Behörden europaweit – hat diese meist aus China stammenden Gummi-Yo-Yos als gefährliches Spielzeug eingestuft und damit den Verkauf verboten. Beim Spiel kann sich nämlich das Gummiband bis zu zwei Meter dehnen, beim Zurückschnellen um den Hals des Kindes wickeln und dann zusammenziehen, so dass ein Kind eventuell die Schlinge selbst nicht mehr lösen kann. Aus Frankreich war ein Fall bekannt geworden, bei dem sich ein neunjähriger Junge beinahe auf diese Weise stranguliert hätte. Zudem enthalten die Spielbälle gesundheitsschädliche Stoffe, vor allem aromatische Kohlenwasserstoffe, die Krebs erzeugen können.

Händlern, die nach einer Kontrolle des Amtes der Aufforderung, die Ware entweder an den Großhandel zurückzuschicken oder unbrauchbar zu machen, nicht nachkommen, droht ein Zwangsgeld bis zu 50 000 Euro. Wie Lagetsi-Sprecher Robert Rath sagte, erhalten die Händler nämlich zunächst die Möglichkeit, die Ware selbst aus dem Verkehr zu ziehen. Können sie allerdings keine Nachweise darüber bringen und verkaufen die Spielzeuge weiter, dann werden die Geschäfte erneut kontrolliert und Zwangsgelder angedroht. Außerdem können die Yo-Yos dann beschlagnahmt werden. Bisher sei es dazu aber noch nicht dazu gekommen, sagte Rath. Die Einzelhändler hätten sich einsichtig und kooperativ gezeigt.

Vor allem Kioske, Ramsch- und Importläden haben das gefährliche Spielzeug verkauft. Im Spielzeug-Fachhandel war es nicht erhältlich. Selbst wenn die Geschäfte das Yo-Yo bald nicht mehr führen sollten, ist es noch in vielen Kinderzimmern zu finden. Eltern sollten mit ihren Kindern über die Gefahren reden und den Gummiball aus den Kinderzimmern verbannen, sagte Lagetsi-Sprecher Rath. Ständig sind rund zehn Lagetsi-Mitarbeiter unterwegs, um in Geschäften nach gefährlichen Produkten und Spielzeugen zu suchen. In der jetzt beginnenden Badesaison werden sie ihr Augenmerk vermehrt auf aufblasbare Schwimmhilfen richten, die oft erhebliche Unfallrisiken mit sich bringen. Gefahrenquellen bilden oft auch billige Elektrobeleuchtungen. Erst unlängst warnte das Amt vor einer Disco-Leuchtkugel, die nicht genügend gesichert war und ebenfalls bei Kindern sehr beliebt war.

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