Berlin : Tödlicher Schulweg – Siebenjähriger starb bei Rad-Unfall

Junge war allein unterwegs und fuhr an einer Ampel gegen einen Lkw. Polizei: Kinder erst ab zehn Jahren reif für den Großstadtverkehr

Jörn Hasselmann

Nach einem tödlichen Unfall stellen Polizisten und Unfallstatistiker solche Fragen: Hatte der Junge Rot oder Grün? Wieso hatte er keinen Fahrradhelm auf? Wieso fuhr der Siebenjährige überhaupt mit dem Rad zur Schule? Und warum allein? Der Mutter des Siebenjährigen kann das nicht mehr helfen. Ihr Kind ist tot, mit dem Rad auf dem Schulweg von einem Lastwagen getötet. Der kleine Junge ist bereits das dritte Kind, das in diesem Jahr im Straßenverkehr ums Leben gekommen ist.

Der Siebenjährige starb gestern um 8.13 Uhr auf der Kreuzung Danziger- und Schliemannstraße in Prenzlauer Berg, nachdem er eine knappe halbe Stunde zuvor gegen einen Lastwagen geradelt war – und zwar seitlich gegen den Aufbau. Klar ist, der 25-Tonner hatte Grün auf der Danziger Straße. Der Junge wollte in Höhe Schliemannstraße an der Ampel über den Fußgängerüberweg radeln, um zu seiner südlich der Danziger gelegenen Grundschule zu kommen.

Der 59-jährige Fahrer des Baufahrzeuges erlitt einen schweren Schock, ein Seelsorger betreute ihn. So wie es aussieht, trägt der Mann keine Schuld an dem Unfall. Die Polizei sucht Zeugen: Telefon 4664 47813. Unklar ist zum Beispiel, ob die schweren Kopfverletzungen vom Aufprall gegen den Laster herrühren oder vom Sturz auf den Asphalt. Unklar ist auch, ob das ganz in der Nähe wohnende Kind Rot oder Grün an der Fußgängerampel hatte. Wahrscheinlich ist dieser Hergang: Die Fußgängerampel springt auf Grün, der Junge saust los, ohne zu gucken und prallt gegen den Lastwagen, der wegen des Staus die Kreuzung noch nicht räumen konnte.

Noch zwei Stunden später steht der Bau-Laster auf der gesperrten Kreuzung, das gelbe Kinderrad liegt zerstört auf der Fahrbahn, daneben ein bunter Rucksack, die Blutlache ist abgestreut. Die Verkehrspolizei nimmt sich viel Zeit, alle Spuren zu sichern, um den Hergang rekonstruieren zu können.

Kinder in dem Alter gehören nicht aufs Rad, heißt es bei der Berliner Polizei. Dass der Junge gegen die Verkehrsregeln verstoßen hat und über den Fußgängerüberweg radelte, statt sein Kinderrad zu schieben, spielt da keine Rolle. Erst mit etwa zehn Jahren seien Kinder reif genug, um im Großstadtverkehr mit dem Rad klar zu kommen, sagte Andreas Wagner von der Verkehrspolizei. „Darunter ist das problematisch.“ Die Polizei beginnt deshalb auch erst in der vierten Klasse mit der Radfahrausbildung in den Schulen.

Schon der Unfallhergang beim ersten in diesem Jahr getöteten Kind bestätigt die Polizei in ihrer Meinung: Anfang Mai war es ein achtjähriger Junge, der vom Gehweg plötzlich auf die Fahrbahn des Adlergestells radelte – und dort von einem Lkw überrollt wurde. Dass beide Opfer Jungen waren und beide mit dem Rad unterwegs waren, ist für Unfallstatistiker traurige Normalität. Jungen verunglücken deutlich häufiger als Mädchen, besonders wenn sie mit dem Rad fahren - sie sind riskofreudiger.

Und wenn Kinder schon Radfahren, sei ein guter Helm und ein ebenso gutes Rad unabdingbar, empfiehlt Präventionsexperte Wagner von der Polizei allen Eltern. Der Schulweg sollte immer der gleiche sein, und gut geübt werden. Und diese Regel muss auch beachtet werden: Kinder unter 8 Jahren müssen, unter 10 Jahren dürfen mit dem Rad auf den Gehweg. Doch über die Straße muss das Rad geschoben werden. Der Siebenjährige war zu jung, um allein diese Gefahr zu erkennen.

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